Archiv 2007

Ausstellung Thomas Bartels + Eva Schröder


 

Parallel zum filmfest und noch bis Ende November zeigt die Braunschweiger Künstlerin Eva Schröder in der Jakob Kemenate Malerei, Grafik und vor allem eine Serie von 14 Rollkammern: Sie sind Teil eines multimedialen Projekts, zu dem auch ein Animationsfilm gehört. Er wird zur Finissage der Ausstellung uraufgeführt.

Da will jemand ausbrechen. Aus eingefahrenen Strukturen. Dem Elternhaus. Immer wieder Mittagessen und Geburtstagsgeschenke. Die Zeit vergeht und der Vater stirbt. Im Keller findet sich ein praktischer Wagen und zum nächsten Geburtstag gibt es eine Kurbelwelle. Jetzt steht dem Ausbruch nichts mehr im Weg.

Bereits 2003 zeichnete Eva Schröder Illustrationen zur Kurzgeschichte "Jetzt geht‘s doch!" ihrer Schwester Ulrike Schröder. Auf der Grundlage dieser Illustrationen entwickelte die Künstlerin dreidimensionale Objekte, die sie "Rollkammern" nennt, in Anlehnung an den Wagen, den der Protagonist der Geschichte immer wieder treppauf und treppab durch sein Elternhaus schiebt. Die Kästen könnten Zimmer sein und doch sind unten Räder dran. Auf schlanken Stäben balancierend zeigen sie in Augenhöhe aus Holz geschnitzte Figuren und Objekte, perspektivisch verzerrte Räume.

Seit mehr als einem Jahr arbeitet Eva Schröder zusammen mit dem Filmemacher Thomas Bartels in ihrem Braunschweiger Atelier an diesem Projekt, das von der nordmedia Fonds GmbH gefördert wird. Die Bauten und Figuren werden sorgfältig geschnitzt, geleimt und bemalt, in Anlehnung an die Rollkammern. Gedreht wird analog auf Film, in traditioneller Animationstechnik: Bild für Bild. Der Musiker Wolfgang in der Wiesche schafft aus Geräuschen, Klängen und Musikfragmenten einen sparsamen Soundtrack, der die Bilder um eine weitere Dimension erweitert.

Zwar wird der Film erst nach dem filmfest fertig werden, doch bietet die Ausstellung bereits jetzt einen Blick hinter die Kulissen und macht neugierig auf mehr. Uraufgeführt wird der Film am Ende der Ausstellung in der seit Oktober 2006 wieder zugänglichen Jacob Kemenate. Dieses architektonisch äußerst spannend erweiterte und behutsam restaurierte, älteste weltliche Gebäude der Stadt wird auch in Zukunft ein interessantes Forum für Kunst, Kultur und Veranstaltungen bieten.




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