Archiv 2007

Hanna Schygulla



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Sie war das Gesicht des deutschen Films der 70er und 80er Jahre, und noch heute wird ihr Name mit dem seinen in einem Zug genannt: Hanna Schygulla und Rainer Werner Fassbinder. Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla. Zwanzig Filme haben sie miteinander gemacht, darunter sind etliche Höhepunkte des deutschen Films. Er: "Sie war mein Star, von der ersten Probe an". Sie: "Genauso kann ich sagen er war mein Regisseur von der ersten Probe an."

Schygulla von Fassbinder kreiert? Wohl eher ein männlicher Schöpfungsmythos. Richtig ist, dass Fassbinder Schygulla von vornherein und absichtsvoll als Star und Diva seiner Filme eingesetzt hat. Träumerisch-naive Ausstrahlung. Blondlockige Erotik. Vorstadt-Marilyn. Später "Effi Briest". Dann Weltruhm mit "Die Ehe der Maria Braun". Noch später "Lili Marlen": Der letzte Film von und mit Fassbinder/Schygulla.

1982. Fassbinder ist tot und Deutschland im Wettbewerb von Cannes nicht mehr vertreten. Aber Hanna Schygulla spielt im italienischen Beitrag "Die Geschichte der Piera". Sie gewinnt die "Goldene Palme" als Beste Darstellerin. Der Preis muss sich einreihen in die diversen Bundesfilmpreise, die Schygulla in Deutschland in vergangenen Jahren angehäuft hat. Eine Menge Gold in einer anfänglich eher unbeabsichtigten Karriere.

1943 in Kattowitz geboren und in München aufgewachsen, beginnt Schygulla zunächst ein Studium der Germanistik und Romanistik und nimmt nebenbei Schauspielunterricht am "Fridl-Leonhard-Studio". Sie lernt Fassbinder kennen, ein junges, radikales Talent, das schockierende Produktionen für Bühne und Film schafft. "Hast Du Lust, die Antigone zu spielen? Premiere übermorgen. Komme in das Kino in der Müllerstraße. Gruß Rainer.". Sie spielt die Antigone.



Auf der Leinwand ist Hanna Schygulla erstmals 1968 in dem Kurzfilm "Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter" von Jean-Marie Straub zu sehen. Es folgen "Jagdszenen in Niederbayern" von Peter Fleischmann und "Liebe ist kälter als der Tod", "Götter der Pest" und "Katzelmacher" von Fassbinder. 1970. Drei Filme, drei Mal "Filmband in Gold" für Hanna Schygulla. Ein weiteres "Filmband in Gold" für "Whity" und "Matthias Kneissel". Einem breiten deutschen Publikum wird Schygulla 1972 in Fassbinders Fersehserie "Acht Stunden sind kein Tag" bekannt. Den ersten gemeinsamen Kassenerfolg erringen die beiden 1974 mit Fontanes "Effie Briest".

Danach ist erstmal Schluss mit Fassbinder. Hanna Schygulla dreht mit anderen Regisseuren. Mit Wim Wenders in "Falsche Bewegung" - wieder ein "Filmband in Gold" - und mit Vojtech Jasny in "Ansichten eines Clowns". Dann wieder Fassbinder. "Die Ehe der Maria Braun" wird ihr bisher größtesr Erfolg. Filmband in Gold und "Silberner Bär". Hanna Schygulla wird international. Der Bär erklettert die Palme. "'Die Schygulla geht fremd' steht in der Zeitung. Ich bin vom deutschen ins europäische Kino gerutscht. Mit Scola ging's los... dann Godard... jetzt Sura... dann Ferreri und Wajda.". Sie geht nach Frankreich, "der Liebe wegen". Sie dreht mit Trotta und Branagh. Irgendwann wird es stiller um sie. Sie startet eine Karriere als Chansonière. Fatih Akin besetzt sie in "Auf der anderen Seite". Wie alle Darsteller ist sie in dem Film ungeschminkt zu sehen.

Schygulla: "Diese Dinge müssen mir jetzt egal sein. Irgendetwas geht von mir aus, sonst gäbe es mich nicht auf der Leinwand. Jetzt ist es nicht mehr Glamour, es muss also noch etwas an mir sein, das ankommt. Was es ist, weiß ich nicht, und das ist vielleicht ganz gut so.". Schygulla ist 63.

"Life is very precious" hat Rainer Werner Fassbinder bei jeder Gelegenheit auf irgendwelche Zettel, Alben und Prospekte geschrieben, "Life is very precious even right now.".

(Zitate aus "Du... Augen wie Sterne. Das Hanna Schygulla Album", Schirmer und Mosel und Vanity Fair, 09 (2007)).


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