Archiv 2006

YOU MUST REMEMBER THIS - 20 JAHRE FILMFEST



Unser erster Stargast 1987: Marianne Sägebrecht

Wer kennt sie nicht, die berühmteste Melodie der Filmgeschichte? "You must remember this, a kiss is just a kiss" heißt es in "As time goes by" aus "Casablanca" (1942), vom großen Herman Hupfeld komponiert.

20 Jahre filmfest Braunschweig sind ein Anlaß, sich zu erinnern. 1986 von einer Handvoll Filmemachern und Cineasten mit viel Idealismus und Energie, entgrenztem Möglichkeitsbewusstsein und fast ohne Geld – gegründet, hat sich das filmfest zu einem der großen Publikumsfestivals in Deutschland entwickelt, ohne seinen Enthusiasmus und seine Ansprüche an gutes Kino zu verlieren.

Wie jede Filmproduktion ist auch jedes Festival eine kreative Leistung von vielen, ein einmaliges und unwiederbringliches, kollektives Ereignis. Krisen wie glückliche Momente gehören für die Organisatoren zur Geschichte eines Festivals dazu. Vor allem aber sind es die Festivalgäste, die KünstlerInnen selbst, die die Festivalgeschichte(n) schreiben. Hunderte von Filmschaffenden waren in den vergangenen 19 Jahren zu Gast. Die Liste dieser Gäste liest sich wie ein Who is Who der deutschen Filmszene in Ost und West. Von Margarethe von Trotta zu Corinna Harfouch, von Katharina Thalbach über Kurt Maetzig zu Otto Sander waren Künstler zu Gast, die den deutschen Film geprägt haben. Aber auch viele internationale Gäste kamen nach Braunschweig, wie beispielsweise Saul Bass, Jon Jost, Jack Palance, Emma Suárez, Fernando Birri. Auf unserer Homepage finden sich Fotos von ihren denkwürdigen Besuchen.

Einige dieser Gäste, die uns alle wertvoll waren, leben nicht mehr. Vor kurzem ist der Regisseur Lothar Warneke gestorben, der schon beim 1. filmfest dabei war, am 1. Oktober folgte ihm Frank Beyer. Auch einige Mitglieder des filmfest-Vereins sind nicht mehr unter uns – wir denken zum Beispiel an Johanna Albrecht und Jörg Schulz-Behrendt. "You must remember this" ist auch ihnen gewidmet - in unseren Erinnerungen leben sie weiter!

Wir feiern "20 Jahre filmfest Braunschweig“ mit einem besonderen Filmprogramm. Wir haben Gäste eingeladen, die aus den letzten 19 Jahren Festival herausragen – mit ihrem jeweils aktuellen Film. So verbindet "You must remember this" Erinnerung mit Gegenwart. Allen Gästen ein herzliches Willkommen, wir freuen uns auf das Wiedersehen!



Die Reihe "20 Jahre filmfest" wird unterstützt von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.




ZU GAST: MICHAEL VERHOEVEN



Michael Verhoeven war auf dem 7. filmfest 1993 mit seinem Film "Eine unheilige Liebe" zu Gast. Diesmal stellt er seine aufwühlende Dokumentation "Der unbekannte Soldat" vor.

Michael Verhoeven gilt als einer der wichtigsten politischen Regisseure Deutschlands. Er wurde am 13. Juli 1938 in Berlin geboren. Zunächst studierte er Medizin und wurde Arzt. 1962 debütierte er als Regisseur beim Zimmertheater in Tübingen. 1965 gründete er mit seiner Frau Senta Berger die Produktionsgesellschaft Sentana Film. Sein experimenteller Anti-Vietnam-Kriegsfilm O.K. führte 1970 zum Abbruch der Berlinale. Für seinen Film "Das schreckliche Mädchen" erhielt er 1991 eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film. 1999 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Filme (Auswahl):

1967 Paarungen
1970 O.K.
1982 Die weiße Rose
1990 Das schreckliche Mädchen
1995 Mutters Courage


Der unbekannte Soldat
Regie: Michael Verhoeven, D 2006, 100 Min, 35 mm, Farbe, sw, dt.
Darsteller: Valentin Kurz, Knut Muhsik, Sergey Yemerov
Fr, 10. November 19:45 CinemaxX 4 Gast: Michael Verhoeven
So, 12. November 18:15 CinemaxX 4

 

Einmal mehr widmet sich Michael Verhoeven mit seinem neuen Film der kritischen Aufarbeitung deutscher Geschichte. Ausgangspunkt ist die 1995 eröffnete Wanderausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944", die in 33 Städten Deutschlands und Österreichs gezeigt wurde, und vor allem die heftigen Reaktionen darauf. Verhoeven verfolgt die Spuren der Wehrmacht bis in die Ukraine und nach Weißrussland und untersucht anhand von zahlreichen Interviews mit Augenzeugen und Historikern in Deutschland, den USA und an den Orten des Geschehens den wohl schrecklichsten Teil der Geschichte der deutschen Wehrmacht.




ZU GAST: KATRIN SASS



Auf dem 17. filmfest 2003 war der Schauspielerin Katrin Saß eine Hommage gewidmet. Dieses Jahr stellt sie ihren Film "Mutterseelenallein" vor.

1956 in Schwerin geboren, avancierte sie bereits 1979 mit ihrem ersten Film "Bis daß der Tod Euch scheidet" zur gefragten Charakterdarstellerin. Katrin Saß wirkte in vielen herausragenden DEFA-Filmen mit und wurde zu einer der populärsten und erfolgreichsten Darstellerinnen der DDR. 1982 erhielt sie auf der Berlinale als erste DDR-Schauspielerin überhaupt den Silbernen Bären für ihre Rolle in "Bürgschaft für ein Jahr". Nach der Wende spielte sie zunächst vorrangig in TV-Produktionen. Mit "Heidi M." (2001) und "Good Bye, Lenin!" (2003) feierte sie ein großartiges Comeback auf der Kinoleinwand.

Filme (Auswahl):

1979 Bis daß der Tod Euch scheidet
1981 Bürgschaft für ein Jahr
1988 Fallada - letztes Kapitel
2001 Heidi M.
2003 Good Bye, Lenin!


Mutterseelenallein
Regie: Bernd Böhlich, D 2004, 88 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Darsteller: Katrin Saß, Vadim Glowna, Sebastian Weber
Sa, 11. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Katrin Saß
So, 12. November 11:15 CinemaxX 4

 

Wie kann eine Mutter reagieren, wenn ihr Sohn des Mordes an einem Mädchen verdächtigt wird? Von anfänglicher, natürlicher Ablehnung der schrecklichen Wahrheit bis zu ihrer Akzeptanz vergehen nur wenige Tage. Sie sind geprägt von Verzweiflung und Ratlosigkeit, und immer wieder auch von Zuversicht und Hoffnung. Bea, die weibliche Hauptfigur, durchlebt alle extremen Aggregatzustände menschlichen Verhaltens und gerät dabei an den Rand der Gesellschaft. Am Ende erkennt sie ihr eigenes Versagen an ihrem Sohn Thomas – und kann doch das grausame Geschehen nicht mehr korrigieren.

Der Film erzählt von Wahrheiten, die größer sind als wir und von Schmerzen, die keine Zeit heilt.




ZU GAST: RICHARD DINDO



Richard Dindo war auf dem 12. filmfest 1998 mit einer Werkschau zu Gast. Dieses Jahr stellt er seinen neuen Film vor, der sich dem Menschen und Schriftsteller Franz Kafka widmet.

Richard Dindo ist der bekannteste Dokumentarfilmer der Schweiz. Er wurde 1944 in Zürich geboren und brachte sich das Filmhandwerk selbst bei. Seine Arbeitsweise beschreibt er als Rekonstruktion. In seinen Filmen werden aus Dokumenten, Zeugnissen und Erinnerungen Momente lebendiger Geschichte(n). Er erschafft die Vergangenheit wieder an jenen Orten, an denen sie sich tatsächlich zutrug. Dindo bezeichnet sich selbst als "Erinnerungsarbeiter", Dokumentarfilm ist für ihn die "Kunst der Biografie". Er hat bereits über 20 Filme gedreht und lebt heute in Paris und Zürich.

Filme (Auswahl):

1970 Die Wiederholung
1981 Max Frisch, Journal I-III
1991 Arthur Rimbaud, eine Biografie
1994 Ernesto "Che" Guevara, das bolivianische Tagebuch
1997 Grüningers Fall


Wer war Kafka?
Regie: Richard Dindo, CH 2006, 98 Min, 35 mm, Farbe, sw, dt.
Mi, 8. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Richard Dindo
Sa, 11. November 15:00 CinemaxX 4 Gast: Richard Dindo

 

Franz Kafka gehört zu den faszinierendsten Autoren der deutschsprachigen Literatur und mit seiner Biografie auch zu den rätselhaftesten. Wer aber war Franz Kafka wirklich?

Richard Dindo nähert sich dieser Frage über Tagebucheinträge des Schriftstellers und Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen. Stadt- und Hausansichten aus dem gegenwärtigen Prag verbinden sich mit inszenierten Selbstgesprächen und Berichten der – von Schauspielern dargestellten – Weggefährten Kafkas: Max Brod, der Freund; Gustav Janouch, der Dichter und Bewunderer; Felice Bauer, die Verlobte; Max Pulver, der Schriftsteller; Milena Jesenská, die Geliebte und Dora Diamant, die Lebensgefährtin der letzten Jahre.




ZU GAST: RUDOLF THOME



Geboren 1939 in Wallau. Ab 1960 Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte. Ab 1962 Arbeit als Filmkritiker. 1964 erster Kurzfilm, 1968 erster Langfilm. 1977 Gründung der Moana-Film. 1989 Preis der Int. Filmkritik in Montreal für den besten Film - "Der Philosoph".

Fernab des Mainstreams dreht Rudolf Thome oftmals unverstanden von Kritik und Kinopublikum kontinuierlich Filme, die arm an Budget, aber reich an Improvisation und Überraschung sind. Wie kaum ein anderer deutscher Regisseur beherrscht Thome die Kunst der Andeutung, der Zwischentöne und der unprätentiösen Bildsprache.

Auf dem 3. filmfest 1989 präsentierte Rudolf Thome seinen Film "Sieben Frauen". 17 Jahre später ist Thome zurück in Braunschweig und stellt in seinem aktuellen Werk "Du hast gesagt, daß Du mich liebst" erneut sein wunderbares Gespür für die Poesie des Augenblicks unter Beweis.

Filme (Auswahl):

1968 Detektive
1969 Rote Sonne
1985 Tarot
1988 Der Philosoph
1991 Liebe auf den ersten Blick
2003 Rot und Blau
2004 Frau fährt, Mann schläft
2005 Rauhzeichen


Du hast gesagt, daß Du mich liebst
Regie: Rudolf Thome, D 2005, 117 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Darsteller: Hannelore Elsner, Johannes Herrschmann, Anna de Carlo
Mi, 8. November 17:30 CinemaxX 4 Gast: Rudolf Thome
Do, 9. November 15:00 CinemaxX 4

 

Johanna Perl hat ein volles Leben hinter sich. Die Pflichten sind getan, die Tochter erwachsen. Von dem, was kommt, erwartet sie nicht mehr viel. Nach dem Ende ihres Arbeitslebens stellt sie sich Fragen nach dem Sinn des Seins: Gibt es einen Grund weiterzuleben, oder beherrscht der Tod fortan ihre Gedanken? Als Johanna beim Zeitunglesen über eine Kontaktanzeige stolpert, erlebt sie dies als einen Wink Gottes. Johanna lernt den Verfasser der Zeilen, den 45-jährigen Schriftsteller Johannes kennen - und es ist Liebe auf den ersten Blick. Der eigenwillige Mann krempelt ihr Leben völlig um.




ZU GAST: FRIDRIK THÓR FRIDRIKSSON



Geboren 1954 in Reykjavik. 1973 Gründung des ersten isl. Filmklubs. 1978 Gründung des Reykjavik Filmfestivals. 1980 Spielfilmdebüt. 1991 internationaler Durchbruch mit dem oscarnominierten "Children of Nature". Fridriksson hat die isl. Filmlandschaft geprägt wie kein Zweiter. Auf dem 10. filmfest 1996 war ihm eine Werkschau gewidmet. filmfest-Mitglied Beate Siegmann erinnert sich: "Damals wohnte ich noch in Hannover. Ich konnte es kaum glauben, dass der Regisseur eines meiner absoluten Lieblingsfilme, nämlich 'Children of Nature', nach Braunschweig kommt und bin dann extra für Herrn Fridriksson angereist. Ein unvergessliches Erlebnis, diesen echten 'Wikinger' im Kino zu sehen und natürlich auch im Mitternachtsgespräch."

Filme (Auswahl):

1980 The Saga of Burnt Njal
1991 Children of Nature
1995 Cold Fever
1996 Devil's Angels
2000 Angels of the Universe


Niceland
Regie: Fridrik Thór Fridriksson, IS 2004, 87 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Darsteller: Martin Compston, Guðrún Bjarnadóttir, Gary Lewis, Kerry Fox
Fr, 10. November 22:00 CinemaxX 4
Sa, 11. November 20:15 CinemaxX 3

 

Jed und Chloe arbeiten in einer Fabrik in Schottland. Die beiden sind jung, verliebt und geistig behindert. Als ihre Katze durch einen Unfall zu Tode kommt, glaubt Chloe den Sinn des Lebens verloren und fällt in Schweigen. Verzweifelt begibt sich Jed auf die Suche nach etwas, das Chloe helfen kann – etwas, das dem Leben eine Bedeutung verleiht, eine Antwort. Die erhofft er sich von dem eigenbrötlerischen Schrotthändler Max. Jed zieht bei ihm ein und quält ihn fortan mit seinen Fragen. Aber Max weiß doch auch keine Antworten. Der englischsprachige Film des Isländers Friðrik Thór Friðriksson ist zugleich melancholisches Märchen, Liebesgeschichte, Buddymovie, Drama und Komödie.




ZU GAST: EDWARD ARTEMIEV



Geboren 1937 in Novosibirsk. Nach dem Studium am Moskauer Konservatorium stieß Artemiev in den 60er Jahren zur Avantgarde der elektronischen Musik. Heute ist Artemiev der bedeutendste lebende Komponist Russlands und einer der renommiertesten Filmkomponisten weltweit. Seine Filmmusik beeindruckt durch ihre Spannweite, die von elektronischen Klangexperimenten über symphonische Arrangements bis zu orientalischen Meditationen reicht. Auf dem 16. filmfest 2002 war ihm eine Werkschau gewidmet. filmfest-Mitglied Clemens Williges: "Mit dem Besuch von Edward Artemiev ging für mich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Mit Werken wie Solaris und Stalker hat er Musik&Film-Geschichte geschrieben und ist dennoch ein ganz natürlicher Mensch geblieben. Ich freue mich auf das Wiedersehen."

Filme (Auswahl):

1972 Solaris
1975 The Mirror
1979 Stalker
1991 Urga
2006 Doctor Zhivago


A driver for Vera (Voditel dlya Very)
Regie: Pavel Chukhraj, RUS/UA 2004, 105 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Darsteller: Yelena Babenko, Bogdan Stupka, Igor Petrenko
Do, 9. November 17:30 CinemaxX 4 Gast: Edward Artemiev
Fr, 10. November 17:15 CinemaxX 4 Gast: Edward Artemiev

 

Sowjetunion, 1962. Der junge Soldat Viktor wird als persönlicher Fahrer eines Generals und seiner Tocher auf die Krim versetzt. Die psychisch labile Tochter Vera leidet nach einer ungewollten Schwangerschaft unter Depressionen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen Vera und Victor sich näher. Aber auch die attraktive Haushälterin Lida hat ein Auge auf Viktor geworfen. Es entwickelt sich eine schwierige und undurchsichtige Dreiecksbeziehung. Parallel dazu merkt Viktor, dass er nicht nur als Fahrer eingesetzt wird, sondern auch als Informant für den KGB.

2005 gewann "A driver for Vera" drei Nika Awards (die russischen "Oscars“), unter anderem für die beste Musik.




ZU GAST: RAKSHAN BANI-ETEMAD



Die dreizehnte Ausgabe des filmes 1999 ehrte die iranische Regisseurin Rakhshan Bani-Etemad mit einer Präsentation ihrer Arbeit, u.a. ihren ersten Spielfilm "Off the Limits". Auf dem 20. filmfest wird Bani-Etemad ihren Film Gilaneh (2005, Co-Regie Mohsen Abdolvahab) zeigen.

Rakhshan Bani-Etemad ist die wohl bedeutendste weibliche iranische Regisseurin. In ihrem Geburtsort Teheran studierte sie Filmregie an der "University of Dramatic Arts". Sie begann ihre Karriere als Dokumentarfilmerin für das iranische Fernsehen, bevor sie 1987 ihren ersten Spielfilm Off the Limits drehte.

Filme (Auswahl):

1987 Off the limits
1995 The blue-veiled
1999 Baran and The Native
2001 Under the city's skin
2002 Our Times


Gilaneh
Regie: Rakhshan Bani-Etemad/Mohsen Abdolvahab, IR 2005, 84 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Darsteller: Fatemeh Motamed Arya, Bahram Radan, Baran Kosari
Do, 9. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Rakhshan Bani-Etemad
Fr, 10. November 17:15 CinemaxX 2 Gast: Rakhshan Bani-Etemad

 

Gilaneh (hervorragend: Fatameh Motamed Arya) heißt die unerschütterliche Heldin einer Familie, deren Schicksal vom Krieg im Mittleren Osten geprägt wird. Gilaneh spielt 1988: irakische Bomben gehen auf Teheran nieder, während die Iraner das Neue Jahr feiern. Voller Angst und hilflos muss die Hirtenwitwe Gilaneh zusehen, wie ihr Sohn vom Land in den Krieg zieht und ihre schwangere Tochter beschließt, in der kriegsgebeutelten Hauptstadt nach ihrem Mann zu suchen.

15 Jahre später: Diesmal wird der Irak von den USA angegriffen, doch Gilaneh, die jetzt ihren kriegsversehrten Sohn pflegt, nimmt das Geschehen nunmehr passiv im TV war. "Gilaneh" zeigt die Tragödie des Krieges: es sind die Machtlosen, die unter den Kämpfen der Mächtigen leiden.




ZU GAST: HARRY ROWOHLT
Lesung: John Rock oder der Teufel
Fr, 10. November 20:00 Buchhandlung Graff

 


Harry Rowohlt wurde am 27. März 1945 in Hamburg geboren und ist der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt. Er lebt als Autor (u.a. ZEIT-Kolumne "Pooh’s Corner"), Übersetzer aus dem Englischen (u.a. "Puh der Bär", Frank McCourt) und Rezitator in Hamburg Eppendorf. Außerdem spielt er den Penner Harry in der "Lindenstraße".

1995 war er auf dem 9. filmfest zu Gast und hatte eine "Carte blanche". "Carte blanche heißt, dass sich die Braunschweiger jemanden einladen, der darf sich dann seine vier Lieblingsfilme ansehen, und alle Braunschweiger müssen mitgucken und die auch ganz toll finden", so beschrieb es Harry in seiner ZEIT-Kolumne, die er damals ganz dem filmfest widmete. Und da wir nun schon seine Lieblingsfilme kennen, darf der Harry dieses Jahr nur lesen, und zwar aus einem seiner Bücher, das den aufregenden Titel "John Rock oder der Teufel" trägt, wobei es sich genauer um einen "kulinarischen Wildwest-Schundroman" handelt. Inhaltlich dreht sich alles – das Wort "kulinarisch" deutet es schon an – ums Kochen, und zwar ums Kochen unter äußerst schwierigen Bedingungen. Titelheld John Rock möchte nämlich aus haltbaren Billiglebensmitteln unter dem beständigem Sperrfeuer der berüchtigten Enfield-Drillinge und den Brandpfeilen der Apatschen, in einer bald in Flammen aufgehenden Blockhütte ein Gericht namens "Schlichtglibber Shaolin" zubereiten. Ob es ihm gelingt, sei an dieser Stelle aber noch nicht verraten.

Freuen wir uns also auf diese und andere Geschichten, wenn sich Harry Rowohlt nebst obligatorischer Whiskeyflasche (1996 wurde er zum "Ambassador of Irish Whiskey" ernannt) zu einer seiner berühmt-berüchtigten Marathon-Lesungen in der Buchhandlung Graff einfindet und wir dem Meister der Abschweifungen beim Lesen und Erzählen lauschen können.

Veröffentlichungen (Auswahl):

1993 Pooh’s Corner – Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand
2002 In Schlucken-zwei-Spechte (mit Ralf Sotscheck)
2004 John Rock oder der Teufel
2005 Der Kampf geht weiter! Schönen Gruß, Gottes Segen und Rot Front. Nicht weggeschmissene Briefe

Preise (Auswahl):

1997 Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau
1999 Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
2001 Satirepreis "Göttinger Elch"
2003 Platin-Schallplatte für die CD "Puh der Bär"
2005 Deutscher Jugendliteraturpreis - Sonderpreis für das Gesamtwerk eines deutschen Übersetzers





NACHRUF: FRANK BEYER



Dass diese Reihe auch einen Film von Frank Beyer enthalten würde, war nicht geplant, auch wenn der DEFA-Film immer einen festen Platz auf diesem Festival hatte. Doch die Nachricht vom Tod Beyers am 1. Oktober ging uns, die wir ihn als einen der wichtigsten Nachkriegsregisseure schätzten, und besonders natürlich denen, die ihn persönlich kennengelernt haben, nahe.

Zweimal war Frank Beyer, der nicht nur mit "Spur der Steine" Film- (und Zensur)geschichte geschrieben hat, unser Gast. 1993 besuchte er uns für eine Werkschau, darunter "Nackt unter Wölfen" und "Jakob der Lügner". "Fünf Patronenhülsen", ein kraftvoller früher Film des damals 28 Jahre jungen Regisseurs und überzeugten Sozialisten, war damals nicht dabei.

In memoriam Frank Beyer, der 74 Jahre alt wurde.

Filme (Auswahl):

1962 Nackt unter Wölfen
1963 Karbid und Sauerampfer
1965 Spur der Steine
1974 Jakob der Lügner
1991 Der Verdacht


Fünf Patronenhülsen
Regie: Frank Beyer, DDR 1960, 87 Min, 35 mm, sw, dt.
Darsteller: Erwin Geschonnek, Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug
Sa, 11. November 11:30 CinemaxX 1

 

Spanischer Bürgerkrieg, Ende der 30er Jahre: Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten kämpfen gemeinsam gegen Franco und den aufkommenden Faschismus. Der schwer verwundete Kommissar Wittig übergibt seinen fünf Mitstreitern eine aufgeteilte, letzte geheime Meldung. In fünf leeren Patronenhülsen versteckt, sollen sie die Botschaft aus den feindlichen Linien herausbringen und dem eigenen Stab übermitteln. Während ihres gefährlichen Marsches versuchen die fünf Männer, den Strapazen standzuhalten, ein Kampf auf Leben und Tod. Dort erfahren sie den Inhalt der Botschaft.

Frank Beyer wartet hier mit einer erstklassigen Besetzung auf, mit Stars, die sich am Anfang ihrer Karriere befanden.

Im Anschluß an "Fünf Patronenhülsen" zeigen wir die Dokumentation "Spur der Zeiten" (R: Ralf Schenk/Ulrich Kasten, D 1997, 60 Min).




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