Archiv 2006
YOU MUST REMEMBER THIS - 20 JAHRE FILMFEST
Unser erster Stargast 1987: Marianne Sägebrecht
Wer kennt sie nicht, die berühmteste Melodie der Filmgeschichte? "You must remember this, a kiss is just a kiss" heißt es in "As time goes by"
aus "Casablanca" (1942), vom großen Herman Hupfeld komponiert.
20 Jahre film
fest Braunschweig sind ein Anlaß, sich zu erinnern. 1986 von einer Handvoll Filmemachern und Cineasten mit viel
Idealismus und Energie, entgrenztem Möglichkeitsbewusstsein und fast ohne Geld – gegründet, hat sich das filmfest zu einem der
großen Publikumsfestivals in Deutschland entwickelt, ohne seinen Enthusiasmus und seine Ansprüche an gutes Kino zu verlieren.
Wie jede Filmproduktion ist auch jedes Festival eine kreative Leistung von vielen, ein einmaliges und unwiederbringliches, kollektives Ereignis.
Krisen wie glückliche Momente gehören für die Organisatoren zur Geschichte eines Festivals dazu. Vor allem aber sind es die
Festivalgäste, die KünstlerInnen selbst, die die Festivalgeschichte(n) schreiben. Hunderte von Filmschaffenden
waren in den vergangenen 19 Jahren zu Gast. Die Liste dieser Gäste liest sich wie ein Who is Who der deutschen Filmszene in
Ost und West. Von Margarethe von Trotta zu Corinna Harfouch, von Katharina Thalbach über Kurt Maetzig zu Otto Sander waren
Künstler zu Gast, die den deutschen Film geprägt haben. Aber auch viele internationale Gäste kamen nach Braunschweig, wie
beispielsweise Saul Bass, Jon Jost, Jack Palance, Emma Suárez, Fernando Birri. Auf unserer Homepage finden sich Fotos von
ihren denkwürdigen Besuchen.
Einige dieser Gäste, die uns alle wertvoll waren, leben nicht mehr. Vor kurzem ist der Regisseur Lothar Warneke gestorben, der
schon beim 1. film
fest dabei war, am 1. Oktober folgte ihm Frank Beyer. Auch einige Mitglieder des film
fest-Vereins sind nicht
mehr unter uns – wir denken zum Beispiel an Johanna Albrecht und Jörg Schulz-Behrendt. "You must remember this" ist auch ihnen gewidmet - in
unseren Erinnerungen leben sie weiter!
Wir feiern "20 Jahre film
fest Braunschweig“ mit einem besonderen Filmprogramm. Wir haben Gäste eingeladen, die aus
den letzten 19 Jahren Festival herausragen – mit ihrem jeweils aktuellen Film. So verbindet "You must remember this" Erinnerung mit
Gegenwart. Allen Gästen ein herzliches Willkommen, wir freuen uns auf das Wiedersehen!
Die Reihe "20 Jahre film
fest" wird unterstützt von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.
ZU GAST: MICHAEL VERHOEVEN
Michael Verhoeven war auf dem 7. film
fest 1993 mit seinem Film "Eine unheilige Liebe" zu Gast. Diesmal stellt er seine aufwühlende
Dokumentation "Der unbekannte Soldat" vor.
Michael Verhoeven gilt als einer der wichtigsten politischen Regisseure Deutschlands. Er wurde am 13. Juli 1938 in Berlin geboren. Zunächst studierte
er Medizin und wurde Arzt. 1962 debütierte er als Regisseur beim Zimmertheater in Tübingen. 1965 gründete er mit seiner Frau Senta
Berger die Produktionsgesellschaft Sentana Film. Sein experimenteller Anti-Vietnam-Kriegsfilm O.K. führte 1970 zum Abbruch der Berlinale. Für seinen
Film "Das schreckliche Mädchen" erhielt er 1991 eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film. 1999 wurde er mit dem
Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Filme (Auswahl):
| 1967 |
|
Paarungen |
| 1970 |
|
O.K. |
| 1982 |
|
Die weiße Rose |
| 1990 |
|
Das schreckliche Mädchen |
| 1995 |
|
Mutters Courage |
Der unbekannte Soldat
Regie: Michael Verhoeven, D 2006, 100 Min, 35 mm, Farbe, sw, dt.
Darsteller: Valentin Kurz, Knut Muhsik, Sergey Yemerov
Fr, 10. November 19:45 CinemaxX 4 Gast: Michael Verhoeven
So, 12. November 18:15 CinemaxX 4
Einmal mehr widmet sich Michael Verhoeven mit seinem neuen Film der kritischen Aufarbeitung deutscher Geschichte. Ausgangspunkt ist die
1995 eröffnete Wanderausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944", die in 33 Städten Deutschlands und Österreichs gezeigt
wurde, und vor allem die heftigen Reaktionen darauf. Verhoeven verfolgt die Spuren der Wehrmacht bis in die Ukraine und nach Weißrussland
und untersucht anhand von zahlreichen Interviews mit Augenzeugen und Historikern in Deutschland, den USA und an den Orten des Geschehens den wohl
schrecklichsten Teil der Geschichte der deutschen Wehrmacht.
ZU GAST: KATRIN SASS
Auf dem 17. film
fest 2003 war der Schauspielerin Katrin Saß eine Hommage gewidmet. Dieses Jahr stellt sie ihren Film
"Mutterseelenallein" vor.
1956 in Schwerin geboren, avancierte sie bereits 1979 mit ihrem ersten Film "Bis daß der Tod Euch scheidet" zur gefragten
Charakterdarstellerin. Katrin Saß wirkte in vielen herausragenden DEFA-Filmen mit und wurde zu einer der populärsten und erfolgreichsten
Darstellerinnen der DDR. 1982 erhielt sie auf der Berlinale als erste DDR-Schauspielerin überhaupt den Silbernen Bären für ihre Rolle in
"Bürgschaft für ein Jahr". Nach der Wende spielte sie zunächst vorrangig in TV-Produktionen. Mit "Heidi M." (2001) und
"Good Bye, Lenin!" (2003) feierte sie ein großartiges Comeback auf der Kinoleinwand.
Filme (Auswahl):
| 1979 |
|
Bis daß der Tod Euch scheidet |
| 1981 |
|
Bürgschaft für ein Jahr |
| 1988 |
|
Fallada - letztes Kapitel |
| 2001 |
|
Heidi M. |
| 2003 |
|
Good Bye, Lenin! |
Mutterseelenallein
Regie: Bernd Böhlich, D 2004, 88 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Darsteller: Katrin Saß, Vadim Glowna, Sebastian Weber
Sa, 11. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Katrin Saß
So, 12. November 11:15 CinemaxX 4
Wie kann eine Mutter reagieren, wenn ihr Sohn des Mordes an einem Mädchen verdächtigt wird? Von anfänglicher, natürlicher Ablehnung der
schrecklichen Wahrheit bis zu ihrer Akzeptanz vergehen nur wenige Tage. Sie sind geprägt von Verzweiflung und Ratlosigkeit, und immer wieder
auch von Zuversicht und Hoffnung. Bea, die weibliche Hauptfigur, durchlebt alle extremen Aggregatzustände menschlichen Verhaltens und gerät dabei an
den Rand der Gesellschaft. Am Ende erkennt sie ihr eigenes Versagen an ihrem Sohn Thomas – und kann doch das grausame Geschehen nicht mehr
korrigieren.
Der Film erzählt von Wahrheiten, die größer sind als wir und von Schmerzen, die keine Zeit heilt.
ZU GAST: RICHARD DINDO
Richard Dindo war auf dem 12. film
fest 1998 mit einer Werkschau zu Gast. Dieses Jahr stellt er seinen neuen Film vor, der sich
dem Menschen und Schriftsteller Franz Kafka widmet.
Richard Dindo ist der bekannteste Dokumentarfilmer der Schweiz. Er wurde 1944 in Zürich geboren und brachte sich das Filmhandwerk selbst bei.
Seine Arbeitsweise beschreibt er als Rekonstruktion. In seinen Filmen werden aus Dokumenten, Zeugnissen und Erinnerungen Momente
lebendiger Geschichte(n). Er erschafft die Vergangenheit wieder an jenen Orten, an denen sie
sich tatsächlich zutrug. Dindo bezeichnet sich selbst als "Erinnerungsarbeiter", Dokumentarfilm ist für ihn die "Kunst der Biografie". Er hat
bereits über 20 Filme gedreht und lebt heute in Paris und Zürich.
Filme (Auswahl):
| 1970 |
|
Die Wiederholung |
| 1981 |
|
Max Frisch, Journal I-III |
| 1991 |
|
Arthur Rimbaud, eine Biografie |
| 1994 |
|
Ernesto "Che" Guevara, das bolivianische Tagebuch |
| 1997 |
|
Grüningers Fall |
Wer war Kafka?
Regie: Richard Dindo, CH 2006, 98 Min, 35 mm, Farbe, sw, dt.
Mi, 8. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Richard Dindo
Sa, 11. November 15:00 CinemaxX 4 Gast: Richard Dindo
Franz Kafka gehört zu den faszinierendsten Autoren der deutschsprachigen Literatur und mit seiner Biografie auch zu den rätselhaftesten. Wer
aber war Franz Kafka wirklich?
Richard Dindo nähert sich dieser Frage über Tagebucheinträge des Schriftstellers und Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen. Stadt- und Hausansichten
aus dem gegenwärtigen Prag verbinden sich mit inszenierten Selbstgesprächen und Berichten der – von Schauspielern dargestellten – Weggefährten
Kafkas: Max Brod, der Freund; Gustav Janouch, der Dichter und Bewunderer; Felice Bauer, die Verlobte; Max Pulver, der Schriftsteller; Milena
Jesenská, die Geliebte und Dora Diamant, die Lebensgefährtin der letzten Jahre.
ZU GAST: RUDOLF THOME
Geboren 1939 in Wallau. Ab 1960 Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte. Ab 1962 Arbeit als Filmkritiker. 1964 erster
Kurzfilm, 1968 erster Langfilm. 1977 Gründung der Moana-Film. 1989 Preis der Int. Filmkritik in Montreal für den besten
Film - "Der Philosoph".
Fernab des Mainstreams dreht Rudolf Thome oftmals unverstanden von Kritik und Kinopublikum kontinuierlich Filme, die arm an Budget, aber
reich an Improvisation und Überraschung sind. Wie kaum ein anderer deutscher Regisseur beherrscht Thome die Kunst der Andeutung, der Zwischentöne
und der unprätentiösen Bildsprache.
Auf dem 3. film
fest 1989 präsentierte Rudolf Thome seinen Film "Sieben Frauen". 17 Jahre später ist Thome zurück in Braunschweig und
stellt in seinem aktuellen Werk "Du hast gesagt, daß Du mich liebst" erneut sein wunderbares Gespür für die Poesie des Augenblicks
unter Beweis.
Filme (Auswahl):
| 1968 |
|
Detektive |
| 1969 |
|
Rote Sonne |
| 1985 |
|
Tarot |
| 1988 |
|
Der Philosoph |
| 1991 |
|
Liebe auf den ersten Blick |
| 2003 |
|
Rot und Blau |
| 2004 |
|
Frau fährt, Mann schläft |
| 2005 |
|
Rauhzeichen |
Du hast gesagt, daß Du mich liebst
Regie: Rudolf Thome, D 2005, 117 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Darsteller: Hannelore Elsner, Johannes Herrschmann, Anna de Carlo
Mi, 8. November 17:30 CinemaxX 4 Gast: Rudolf Thome
Do, 9. November 15:00 CinemaxX 4
Johanna Perl hat ein volles Leben hinter sich. Die Pflichten sind getan, die Tochter erwachsen. Von dem, was kommt, erwartet sie
nicht mehr viel. Nach dem Ende ihres Arbeitslebens stellt sie sich Fragen nach dem Sinn des Seins: Gibt es einen Grund weiterzuleben, oder
beherrscht der Tod fortan ihre Gedanken? Als Johanna beim Zeitunglesen über eine Kontaktanzeige stolpert, erlebt sie
dies als einen Wink Gottes. Johanna lernt den Verfasser der Zeilen, den 45-jährigen Schriftsteller Johannes kennen - und es ist Liebe
auf den ersten Blick. Der eigenwillige Mann krempelt ihr Leben völlig um.
ZU GAST: FRIDRIK THÓR FRIDRIKSSON
Geboren 1954 in Reykjavik. 1973 Gründung des ersten isl. Filmklubs. 1978 Gründung des Reykjavik Filmfestivals. 1980 Spielfilmdebüt. 1991 internationaler
Durchbruch mit dem oscarnominierten "Children of Nature". Fridriksson hat die isl. Filmlandschaft geprägt wie kein Zweiter. Auf dem 10.
film
fest 1996 war ihm eine Werkschau gewidmet. film
fest-Mitglied Beate Siegmann erinnert sich: "Damals wohnte ich
noch in Hannover. Ich konnte es kaum glauben, dass der Regisseur eines meiner absoluten Lieblingsfilme, nämlich 'Children of Nature', nach Braunschweig
kommt und bin dann extra für Herrn Fridriksson angereist. Ein unvergessliches Erlebnis, diesen echten 'Wikinger' im Kino zu sehen und
natürlich auch im Mitternachtsgespräch."
Filme (Auswahl):
| 1980 |
|
The Saga of Burnt Njal |
| 1991 |
|
Children of Nature |
| 1995 |
|
Cold Fever |
| 1996 |
|
Devil's Angels |
| 2000 |
|
Angels of the Universe |
Niceland
Regie: Fridrik Thór Fridriksson, IS 2004, 87 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Darsteller: Martin Compston, Guðrún Bjarnadóttir, Gary Lewis, Kerry Fox
Fr, 10. November 22:00 CinemaxX 4
Sa, 11. November 20:15 CinemaxX 3
Jed und Chloe arbeiten in einer Fabrik in Schottland. Die beiden sind jung, verliebt und geistig behindert. Als ihre Katze durch einen
Unfall zu Tode kommt, glaubt Chloe den Sinn des Lebens verloren und fällt in Schweigen. Verzweifelt begibt sich Jed auf die Suche
nach etwas, das Chloe helfen kann – etwas, das dem Leben eine Bedeutung verleiht, eine Antwort. Die erhofft er sich von
dem eigenbrötlerischen Schrotthändler Max. Jed zieht bei ihm ein und quält ihn fortan mit seinen Fragen. Aber Max weiß doch auch keine
Antworten. Der englischsprachige Film des Isländers Friðrik Thór Friðriksson ist zugleich melancholisches Märchen, Liebesgeschichte, Buddymovie, Drama
und Komödie.
ZU GAST: EDWARD ARTEMIEV
Geboren 1937 in Novosibirsk. Nach dem Studium am Moskauer Konservatorium stieß Artemiev in den 60er Jahren zur Avantgarde der elektronischen Musik.
Heute ist Artemiev der bedeutendste lebende Komponist Russlands und einer der renommiertesten Filmkomponisten weltweit. Seine Filmmusik beeindruckt
durch ihre Spannweite, die von elektronischen Klangexperimenten über symphonische Arrangements bis zu orientalischen Meditationen reicht.
Auf dem 16. film
fest 2002 war ihm eine Werkschau gewidmet. film
fest-Mitglied Clemens Williges: "Mit dem Besuch von Edward Artemiev
ging für mich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Mit Werken wie Solaris und Stalker hat er Musik&Film-Geschichte geschrieben und
ist dennoch ein ganz natürlicher Mensch geblieben. Ich freue mich auf das Wiedersehen."
Filme (Auswahl):
| 1972 |
|
Solaris |
| 1975 |
|
The Mirror |
| 1979 |
|
Stalker |
| 1991 |
|
Urga |
| 2006 |
|
Doctor Zhivago |
A driver for Vera (Voditel dlya Very)
Regie: Pavel Chukhraj, RUS/UA 2004, 105 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Darsteller: Yelena Babenko, Bogdan Stupka, Igor Petrenko
Do, 9. November 17:30 CinemaxX 4 Gast: Edward Artemiev
Fr, 10. November 17:15 CinemaxX 4 Gast: Edward Artemiev
Sowjetunion, 1962. Der junge Soldat Viktor wird als persönlicher Fahrer eines Generals und seiner Tocher auf die Krim versetzt. Die psychisch
labile Tochter Vera leidet nach einer ungewollten Schwangerschaft unter Depressionen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen Vera und Victor
sich näher. Aber auch die attraktive Haushälterin Lida hat ein Auge auf Viktor geworfen. Es entwickelt sich eine schwierige und undurchsichtige
Dreiecksbeziehung. Parallel dazu merkt Viktor, dass er nicht nur als Fahrer eingesetzt wird, sondern auch als Informant für den KGB.
2005 gewann "A driver for Vera" drei Nika Awards (die russischen "Oscars“), unter anderem für die beste Musik.
ZU GAST: RAKSHAN BANI-ETEMAD
Die dreizehnte Ausgabe des film
es 1999 ehrte die iranische Regisseurin Rakhshan Bani-Etemad mit einer Präsentation ihrer Arbeit,
u.a. ihren ersten Spielfilm "Off the Limits". Auf dem 20. filmfest wird Bani-Etemad ihren Film Gilaneh (2005, Co-Regie
Mohsen Abdolvahab) zeigen.
Rakhshan Bani-Etemad ist die wohl bedeutendste weibliche iranische Regisseurin. In ihrem Geburtsort Teheran studierte sie Filmregie
an der "University of Dramatic Arts". Sie begann ihre Karriere als Dokumentarfilmerin für das iranische Fernsehen, bevor sie 1987
ihren ersten Spielfilm Off the Limits drehte.
Filme (Auswahl):
| 1987 |
|
Off the limits |
| 1995 |
|
The blue-veiled |
| 1999 |
|
Baran and The Native |
| 2001 |
|
Under the city's skin |
| 2002 |
|
Our Times |
Gilaneh
Regie: Rakhshan Bani-Etemad/Mohsen Abdolvahab, IR 2005, 84 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Darsteller: Fatemeh Motamed Arya, Bahram Radan, Baran Kosari
Do, 9. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Rakhshan Bani-Etemad
Fr, 10. November 17:15 CinemaxX 2 Gast: Rakhshan Bani-Etemad
Gilaneh (hervorragend: Fatameh Motamed Arya) heißt die unerschütterliche Heldin einer Familie, deren Schicksal vom Krieg im Mittleren
Osten geprägt wird. Gilaneh spielt 1988: irakische Bomben gehen auf Teheran nieder, während die Iraner das Neue Jahr feiern. Voller Angst
und hilflos muss die Hirtenwitwe Gilaneh zusehen, wie ihr Sohn vom Land in den Krieg zieht und ihre schwangere Tochter beschließt, in
der kriegsgebeutelten Hauptstadt nach ihrem Mann zu suchen.
15 Jahre später: Diesmal wird der Irak von den USA angegriffen, doch Gilaneh, die jetzt ihren kriegsversehrten Sohn
pflegt, nimmt das Geschehen nunmehr passiv im TV war. "Gilaneh" zeigt die Tragödie des Krieges: es sind die Machtlosen, die unter
den Kämpfen der Mächtigen leiden.
ZU GAST: HARRY ROWOHLT
Lesung: John Rock oder der Teufel
Fr, 10. November 20:00 Buchhandlung Graff
Harry Rowohlt wurde am 27. März 1945 in Hamburg geboren und ist der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt. Er lebt als Autor (u.a.
ZEIT-Kolumne "Pooh’s Corner"), Übersetzer aus dem Englischen (u.a. "Puh der Bär", Frank McCourt) und Rezitator in Hamburg Eppendorf.
Außerdem spielt er den Penner Harry in der "Lindenstraße".
1995 war er auf dem 9. filmfest zu Gast und hatte eine "Carte blanche". "Carte blanche heißt, dass sich die Braunschweiger jemanden
einladen, der darf sich dann seine vier Lieblingsfilme ansehen, und alle Braunschweiger müssen mitgucken und die auch ganz toll finden", so
beschrieb es Harry in seiner ZEIT-Kolumne, die er damals ganz dem filmfest widmete. Und da wir nun schon seine Lieblingsfilme kennen,
darf der Harry dieses Jahr nur lesen, und zwar aus einem seiner Bücher, das den aufregenden Titel "John Rock oder der Teufel" trägt, wobei es
sich genauer um einen "kulinarischen Wildwest-Schundroman" handelt. Inhaltlich dreht sich alles – das Wort "kulinarisch" deutet es
schon an – ums Kochen, und zwar ums Kochen unter äußerst schwierigen Bedingungen. Titelheld John Rock möchte nämlich aus haltbaren
Billiglebensmitteln unter dem beständigem Sperrfeuer der berüchtigten Enfield-Drillinge und den Brandpfeilen der Apatschen, in einer
bald in Flammen aufgehenden Blockhütte ein Gericht namens "Schlichtglibber Shaolin" zubereiten. Ob es ihm gelingt, sei an dieser Stelle
aber noch nicht verraten.
Freuen wir uns also auf diese und andere Geschichten, wenn sich Harry Rowohlt nebst obligatorischer Whiskeyflasche (1996 wurde er zum
"Ambassador of Irish Whiskey" ernannt) zu einer seiner berühmt-berüchtigten Marathon-Lesungen in der Buchhandlung Graff einfindet und
wir dem Meister der Abschweifungen beim Lesen und Erzählen lauschen können.
Veröffentlichungen (Auswahl):
| 1993 |
|
Pooh’s Corner – Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand |
| 2002 |
|
In Schlucken-zwei-Spechte (mit Ralf Sotscheck) |
| 2004 |
|
John Rock oder der Teufel |
| 2005 |
|
Der Kampf geht weiter! Schönen Gruß, Gottes Segen und Rot Front. Nicht weggeschmissene Briefe |
Preise (Auswahl):
| 1997 |
|
Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau |
| 1999 |
|
Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung |
| 2001 |
|
Satirepreis "Göttinger Elch" |
| 2003 |
|
Platin-Schallplatte für die CD "Puh der Bär" |
| 2005 |
|
Deutscher Jugendliteraturpreis - Sonderpreis für das Gesamtwerk eines deutschen Übersetzers |
NACHRUF: FRANK BEYER

Dass diese Reihe auch einen Film von Frank Beyer enthalten würde, war nicht geplant, auch wenn der DEFA-Film immer einen festen Platz
auf diesem Festival hatte. Doch die Nachricht vom Tod Beyers am 1. Oktober ging uns, die wir ihn als einen der wichtigsten Nachkriegsregisseure
schätzten, und besonders natürlich denen, die ihn persönlich kennengelernt haben, nahe.
Zweimal war Frank Beyer, der nicht nur mit "Spur der Steine" Film- (und Zensur)geschichte geschrieben hat, unser Gast. 1993 besuchte er
uns für eine Werkschau, darunter "Nackt unter Wölfen" und "Jakob der Lügner". "Fünf Patronenhülsen", ein kraftvoller früher Film des damals
28 Jahre jungen Regisseurs und überzeugten Sozialisten, war damals nicht dabei.
In memoriam Frank Beyer, der 74 Jahre alt wurde.
Filme (Auswahl):
| 1962 |
|
Nackt unter Wölfen |
| 1963 |
|
Karbid und Sauerampfer |
| 1965 |
|
Spur der Steine |
| 1974 |
|
Jakob der Lügner |
| 1991 |
|
Der Verdacht |
Fünf Patronenhülsen
Regie: Frank Beyer, DDR 1960, 87 Min, 35 mm, sw, dt.
Darsteller: Erwin Geschonnek, Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug
Sa, 11. November 11:30 CinemaxX 1
Spanischer Bürgerkrieg, Ende der 30er Jahre: Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten kämpfen gemeinsam gegen Franco und den aufkommenden
Faschismus. Der schwer verwundete Kommissar Wittig übergibt seinen fünf Mitstreitern eine aufgeteilte, letzte geheime Meldung. In fünf
leeren Patronenhülsen versteckt, sollen sie die Botschaft aus den feindlichen Linien herausbringen und dem eigenen Stab übermitteln. Während
ihres gefährlichen Marsches versuchen die fünf Männer, den Strapazen standzuhalten, ein Kampf auf Leben und Tod. Dort erfahren sie
den Inhalt der Botschaft.
Frank Beyer wartet hier mit einer erstklassigen Besetzung auf, mit Stars, die sich am Anfang ihrer Karriere befanden.
Im Anschluß an "Fünf Patronenhülsen" zeigen wir die Dokumentation "Spur der Zeiten" (R: Ralf Schenk/Ulrich Kasten, D 1997, 60 Min).
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