Archiv 2006

Portrait Christoph Girardet + Matthias Müller


So, 12. November 16:00 CinemaxX 4 Gäste: Christoph Girardet, Matthias Müller

 
Christoph Girardet (l.), Matthias Müller

Im letzten Jahr startete das filmfest eine neue Reihe, in der Absolventen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig vorgestellt werden sollen. Den Anfang machte eine Werkschau über Iris Selke. In diesem Jahr freuen wir uns, Christoph Girardet und Matthias Müller, zwei der international angesehensten Experimentalfilmer, als Gäste bei uns begrüßen zu dürfen.

Christoph Girardet wurde 1966 in Langenhagen geboren. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (Meisterschüler 1994). Seit 1989 hat er zahlreiche Videos und Videoinstallationen produziert, seit 1994 teilweise in Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Volker Schreiner. 2000 erhielt Girardet ein Stipendium für das International Studio and Curatorial Program in New York und 2004 das Villa Massimo Stipendium in Rom. Er lebt und arbeitet in Hannover.

Matthias Müller wurde 1961 in Bielefeld geboren. Er studierte an der Universität Bielefeld und der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (Meisterschüler 1991). Seit 1980 hat er zahlreiche Filme und Videos produziert, seit 1985 häufig in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Dirk Schaefer. Müller lehrt seit 2003 als Professor für Experimentellen Film an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Er lebt und arbeitet in Bielefeld und Köln.

Ihre gemeinsamen Arbeiten sind geprägt durch die Montage von Fragmenten. Sie konzentrieren sich bei ihrer Auswahl auf die Momente "dazwischen". Gesuchten, gefundenen und eigenen Bildern. Sie zeigen auf das vielleicht nur unbewusst Gesehene, eröffnen dem Betrachter die Möglichkeit,, die basalen Elemente eines Films zu entdecken. Durch ihre eigene Art der "Wiederholung" legen sie so neue gedankliche Ebenen, neue Räume, neue Deutungsmuster frei, welche alle um die zentralen Themen des Filmischen zu kreisen scheinen: Emotion und Rationalität, Reflektion und Erkenntnis.

Seit 1999 arbeiten sie gemeinsam. Ihre Einzelarbeiten, wie auch ihre gemeinsamen Projekte, liefen auf vielen der bedeutendsten internationalen Festivals und wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet.


Kristall
D 2006, 14:30 Min, 35 mm, Farbe



Kristall entwirft ein Melodram in klaustrophobisch anmutenden Spiegelkabinetten. Wie ein anonymer Beobachter observiert der Spiegel Szenen von Intimität. Er erzeugt ein Bild im Bild, das den Figuren einen Rahmen gibt. Gleichzeitig lässt er sie uneins mit sich selbst und vielfach gebrochen erscheinen. Das Instrument der Selbstvergewisserung und narzisstischen Inszenierung wird zu einem machtvollen Gegenspieler, das Gefühl von Fragilität, Zweifel und Verlust verdoppelt.


Beacon
D 2002, 15 Min, Betacam, Farbe, sw



Beacon ist eine Montage von Location Shots, die rund um die Welt gefilmt wurden. Alle Schauplätze liegen am Meer. Beacon verbindet diese Bilder nahtlos mit angeeigneten Spielfilmmotiven und schafft so einen neuen, imaginären Ort der Erwartung.


Mirror
D 2003, 8 Min, 35 mm, Farbe



Eine Frau, ein Mann, Gäste einer Abendgesellschaft. Schauplätze, die sich zunehmend leeren, Überbleibsel eines Geschehens, Blicke, die ihren Gegenstand verloren haben. Eingefrorene Tableaux werden in Mirror allein vom Licht belebt, das Verbindungen herstellt, die Figuren aber auch isoliert und vom sie umgebenden Raum loslöst. Wie eine Spiegelachse läuft ein Riss durch die Bildmitte, der die Hälften gleichzeitig trennt und zu einem Motiv vereint. Mirror kreiert ein Stimmungsbild des "Dazwischen", der namenlosen Sphäre zwischen Zusammengehörigkeit und Vereinzelung.

"Die Personen einer Tragödie, die Orte, die Luft, die dort geatmet wird, sind manchmal fesselnder als die Tragödie selbst, ebenso die Momente, die ihr vorausgehen und ihr folgen, wenn die Handlung stillsteht und die Rede verstummt." (Michelangelo Antonioni)


Manual
D 2002, 9:30 Min, Betacam, Farbe



"Manual" verbindet Bilder einer überkommenen Technologie aus amerikanischen Fernsehserien der 60er Jahre mit der weiblichen Stimme aus einem Hollywood-Melodram. Absolute Distanz trifft auf übersteigerte Emotion. Mit seinen endlosen Großaufnahmen von Knöpfen, Schaltern und Kontrolltafeln führt Manual die Idee der Handhabbarkeit des Lebens ad absurdum.


Phoenix Tapes #4 - Why don't you love me?
D 1999, 8:30 Min, Betacam, Farbe, sw



Die "Phoenix Tapes" zeigen neu montierte Einstellungen aus 40 Filmen Alfred Hitchcocks. Die sechs Kapitel konzentrieren sich auf eine subjektive Auswahl von wiederkehrenden Leitmotiven seiner Filme.

"#4. Why Don‘t You Love Me?": Eine Freak Show, die Hitchcocks exzentrische Psychopathen präsentiert - besondere Aufmerksamkeit gilt der Beziehung zu ihren übermächtigen Müttern.


Play
D 2003, 7:20 Min, Betacam, Farbe, sw



Zuschauer im Film. Was auf der Bühne passiert, spiegelt sich in Play allein auf den Gesichtern und in den Gesten des Publikums. In Schnittfolgen analoger Reaktionen verdichtet sich individuelles Verhalten zu kollektivem. Das Geschehen verlagert sich von der Bühne in den Saal, die Zuschauer werden zu Akteuren eines unvorhersehbaren Dramas.



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