Archiv 2005

IM STAUB DER STERNE

Der 'Utopische Film' in Osteuropa


'Der schweigende Stern'

Die Retrospektive "Im Staub der Sterne" widmet sich einem im Westen nahezu unbekannten Kapitel der osteuropäischen Filmproduktion - mit Ausnahme der Filme von Andrej Tarkowskij. Die Rede ist vom wissenschaftlich-fantastischen Kino, das man in Abgrenzung zum westlichen "Science Fiction" in den sozialistischen Staaten als "Utopischen Film" bezeichnete.

Der Filmjournalist Michael Hanisch nannte den Utopischen Film das "ungeliebte Genre". Jener war teuer und erforderte eine größere Filmindustrie, über die allein die UdSSR verfügte. Kein Wunder, dass sich von über 700 ostdeutschen DEFA- Filmen nur vier dem Genre zuordnen lassen, in der Mehrzahl Koproduktionen. Diese in aufwändigem Cinemascope gedrehten Weltraumabenteuer stehen im Mittelpunkt der Reihe, ergänzt von fünf im Westen selten aufgeführten tschechischen und polnischen Raritäten.

Inhaltlich standen die Filmschaffenden vor dem Problem, neben den Erwartungen des Publikums auch ideologische Ansprüche befriedigen zu müssen. Hier kam es gelegentlich zu unfreiwilligen Kollisionen. Anlässlich der Premiere von "Im Staub der Sterne" fragte der Filmkritiker Günter Sobe 1976': "Was treibt euch durch die Galaxis? Es waren nicht die Hilferufe irgendwelcher Unterdrückten. Es ist das unersättliche Unterhaltungsbedürfnis des Publikums!"

Ein zeitgeschichtlich interessanter Spannungsbogen zieht sich durch die Reihe. Der aufgeklärte Optimismus einer fortschrittlichen Weltgemeinschaft in Kurt Maetzigs "Der schweigende Stern" (1959) - nebenbei: zwei Jahre später fliegt der 27-jährige Kosmonaut Jurij Gagarin als erster Mensch ins All - verkehrt sich in Piotr Szulkins apokalyptischer Vision "Das Ende der Zivilisation" (1985) schließlich in sein Gegenteil. Nur vier Jahre später bricht der real existierende Sozialismus zusammen.

Was die Utopischen Filme heute wieder sehenswert macht, ist neben der Spiegelung der Zeitumstände vor allem ihr nostalgischer Schauwert. Wer angesichts von Ausstattung und Kostümen, Tricktechnik und Szenenbild nicht ins Schwärmen gerät, mag Kino nicht.

Das filmfest dankt der DEFA-Stiftung, dem Progress-Filmverleih, dem Filmmuseum Potsdam und Roland Gräf für die freundliche Hilfe und Unterstützung.




Filmgespräch "Im Staub der Sterne" - Der utopische Film der DEFA
Fr, 11. November 21:00 CinemaxX vor Saal 5



Zu einem Filmgespräch über die Utopischen Filme der DEFA lädt das filmfest am Freitag, den 11. November, gegen 21 Uhr ein.

Moderiert von dem Filmjournalisten Michael Hanisch berichten Doris Borkmann (Regieassistenz beim ersten Utopischen Film der DEFA "Der schweigende Stern" von 1959), Karl-Ernst Sasse (Filmkomponist "Im Staub der Sterne", "Signale"), Herrmann Zschoche (Regisseur "Eolomea"), Günter Jaeuthe (Kameramann "Eolomea") und Kurt Marks (Spezialeffekte zu "Im Staub der Sterne", "Signale", "Eolomea") über die Entstehungsgeschichten und die Dreharbeiten des "sozialistischen Science Fiction".

Das Gespräch findet auf der Bühne vor Cinemaxx 5 statt.




Im Staub der Sterne
Regie: Gottfried Kolditz, DDR 1976, 100 Min, 35 mm, Farbe, dt. (engl. UT), Scope
Do, 10. November 15:00 CinemaxX 4 Gäste: Kurt Marks, Karl-Ernst Sasse
Sa, 12. November 13:15 CinemaxX 4 Gäste: Kurt Marks, Karl-Ernst Sasse

 

Vom Planeten TEM 4 wird ein Hilferuf empfangen. Doch als das zur Rettung ausgesandte Raumschiff Cynro dort ankommt, deutet nichts auf eine Notlage hin. Kommandantin Akala und ihre Besatzung werden vom Herrscher, dem Anführer der reichen Temener, zu einem rauschenden Fest eingeladen, wo ihr Bewusstsein durch Drogen manipuliert wird. Nur der aus Sicherheitsgründen an Bord gebliebene Navigator Suko schöpft Verdacht und entdeckt das düstere Geheimnis der Temener: in den Bergwerken halten sie sich die Ureinwohner des Planeten als Sklaven. Von ihnen stammte auch der Notruf.

Lackklamotten, perfekt sitzende Frisuren, leicht bekleidete Tänzerinnen und Weltraumkostüme im ABBA-Style schmücken diesen Film über den Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung.




Der schweigende Stern
Regie: Kurt Maetzig, PL 1959, 93 Min, 35 mm, Farbe, dt., Scope
Mi, 9. November 19:30 CinemaxX 4 Gast: Michael Hanisch
Fr, 11. November 17:15 Universum 2 Gäste: Doris Borkmann, Kurt Marks

 

1970 macht sich ein international besetztes sowjetisches Raumschiff auf den Weg zur Venus. Grund ist eine 1908 in der Wüste Gobi gefundene Spule, deren Herkunft erst vor kurzem geklärt werden konnte: Venus. Auf dem Hinflug entschlüsselt ein amerikanischer Atomphyiker eine auf der Spule gespeicherte Nachricht. Es ist eine Kriegserklärung der Venusbewohner an die Erde. Auf der Venus angekommen, stoßen die Wissenschaftler auf Überreste einer intelligenten Zivilisation, die offenbar ihrer eigenen atomaren Vernichtungsmaschinerie zum Opfer gefallen ist.

"Der schweigende Stern" war der erste Science-Fiction-Film der DEFA und kam in gekürzter Form sogar in der BRD ("Raumschiff Venus antwortet nicht") und den USA ("First Spaceship on Venus") in die Kinos.




Eolomea
Regie: Herrmann Zschoche, DDR/BG/UdSSR 1972, 81 Min, 35 mm, Farbe, dt., Scope
Mi, 9. November 22:15 CinemaxX 4 Gäste: Herrmann Zschoche, Kurt Marks, Günther Jaeuthe
Do, 10. November 19:45 Universum 2 Gäste: Herrmann Zschoche, Kurt Marks, Günther Jaeuthe

 

Acht Raumschiffe sind spurlos verschwunden und auch zur Orbitalstation Margot ist die Verbindung abgebrochen. Entgegen der Meinung ihres Kollegen Prof. Tal verhängt die wissenschaftliche Leiterin Maria Scholl ein absolutes Raumflugverbot. Kurz darauf werden morsezeichenähnliche Signale empfangen, die das Wort "Eolomea" ergeben. Maria erfährt, dass ihr Widersacher Tal an einem verbotenen Projekt mit diesem Namen gearbeitet hat. Sie spricht Tal darauf an, worauf er ihr von einem sagenumwobenen Planeten, einem Gegenstück zur Erde, erzählt. Als dann noch ein weiteres Raumschiff verschwindet, macht Maria sich selbst auf den Weg zur Station Margot.

"Eolomea" wurde von der Uniatec der "Grand Prix" für moderne Technik und Spezialeffekte verliehen.




Signale - Ein Weltraumabenteuer
Regie: Gottfried Kolditz, DDR/PL 1970, 91 Min, 35 mm, Farbe, dt., Scope
Fr, 11. November 15:00 CinemaxX 4 Gäste: Kurt Marks, Karl-Ernst Sasse
Sa, 12. November 15:15 Universum 2 Gäste: Kurt Marks, Karl-Ernst Sasse

 

Das Forschungsraumschiff Ikaros sendet keine Signale mehr und man hat jede Hoffnung auf seine Rettung aufgegeben. Veikko, Kommandant der Kontrollrakete Laika, beschließt dennoch, einen letzten Versuch zu unternehmen, nach der Ikaros und ihrer Besatzung zu suchen. Auf ihrer Reise durch das Weltall empfängt die Mannschaft der Laika ein mysteriöses Rauschen. Als sie die Ikaros dann völlig menschenleer umhertreibend auffinden, erfasst sie panische Angst vor einer unbekannten Bedrohung. Nur Veikko ist überzeugt, dass hochentwickelte außerirdische Wesen vorsintflutliche Verhaltensweisen wie Aggression und Feindschaft längst überwunden haben.

Durch seine ruhige Erzählweise weist "Signale" zum Teil starke Parallelen zu Kubricks "2001" auf.




Der Test des Piloten Pirx (aka Testflug zum Saturn)
Regie: Marek Piestrak, PL/UdSSR 1978, 95 Min, 35 mm, Farbe, dt.
So, 13. November 00:15 (Nacht von Sa. auf So.) CinemaxX 3
So, 13. November 13:00 CinemaxX 4

 

Raumpilot Pirksa startet nach Monaten der Ausbildung das erste Mal zu einem Flug ins All. Seine Crew besteht zum Teil aus Robotern, die so perfekt konstruiert sind, dass sie sich nicht von den Menschen unterscheiden lassen. Pirksa weiß nicht, wer Roboter und wer Mensch ist. Bei der Mission soll getestet werden, ob die Roboter in der Lage sind, den Menschen bei Weltraumexpeditionen zu ersetzen. Als ein unvorhergesehener Zwischenfall eintritt, der eine Entscheidung verlangt, kommt es zum großen Machtkampf zwischen Pirksa und dem Anführer der Roboter.

"Der Test des Piloten Pirx" ist eine glänzend gelungene Literaturverfilmung, die auf dem Geschichtenband "Pirx the Pilot" des berühmten, polnischen Science Fiction-Autors Stanislaw Lem beruht.




Der Mann aus dem ersten Jahrhundert (Muz z prvního století)
Regie: Oldrich Lipsky, CSSR 1961, 93 Min, 35 mm, s/w, dt.
Do, 10. November 22:30 Universum 2
So, 13. November 11:15 CinemaxX 4

 

Der Tapezierer Josef schießt sich bei seinen Arbeiten in einem Raumschiff aus Versehen ins All. Dort trifft er auf ein Alien, dass sich selbst unsichtbar machen kann. Im Jahre 2447 reisen sie gemeinsam zur Erde und Josef muss feststellen, dass auf seinem früheren Heimatplaneten inzwischen alles vollautomatisch geregelt wird. Schließlich findet er einen Weg, ins Jahr 1962, dem Jahr seines unfreiwilligen Aufbruchs, zurück zu kehren. Um die Zukunft der Erde nicht zu gefährden, wird er davor gewarnt, die beobachteten Automatisierungstechniken vorzeitig einzuführen.

Wie der Großteil von Lipskys Filmen ist auch "Der Mann aus dem ersten Jahrhundert" eine lockere Komödie, hinter der in diesem Fall aber auch eine ernstgemeinte Moral steht.




Ikarie XB 1
Regie: Jindrich Polák, CSSR 1963, 81 Min, 35 mm, s/w, dt.
Sa, 12. November 00:15 (Nacht von Fr. auf Sa.) CinemaxX 3
Sa, 12. November 11:00 CinemaxX 2

 

Im Jahre 2163 starten vierzig Männer und Frauen zu einer Expedition ins All, um auf dem Planeten Alpha Centauri eine friedliche Kolonie, frei von Korruption und Missgunst zu errichten. Auf ihrer Reise treffen sie auf ein anderes Raumschiff, dessen ebenfalls menschliche Besatzung sich offenbar gegenseitig umgebracht hat. Kurz darauf geraten sie in die Nähe eines Dunkelsterns, dessen rätselhafte Strahlung eine unüberwindliche Müdigkeit auslöst. Schlaftrunken und von Fieberfantasien geplagt taumelt der Koordinator durch das Raumschiff und schaltet lebenswichtige Geräte aus.

"Ikarie XB1" zählt gerade wegen des exzellent in Szene gesetzten finalen Showdowns zum einem der faszinierendsten osteuropäischen Science-Fiction-Filme.




O-bi, O-ba - Das Ende der Zivilisation
Regie: Piotr Szulkin, PL 1985, 88 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Fr, 11. November 19:45 Universum 2

 

Ein paar hundert Menschen haben den vernichtenden Atomkrieg unter einer Betonkuppel in den Bergen überlebt und hoffen auf Rettung durch die kosmische "Arche". Als sie herausfinden, dass diese lediglich ein Phantasiegebilde der Machthaber ist, wollen sie selbst eine Arche nach biblischem Vorbild zu bauen. Von der Bibel ist jedoch nur noch der Einband vorhanden - der Rest wurde zu synthetischem Nährstoff verarbeitet.

Wie bereits vier Jahre zuvor in seiner Adaption des H.G.Wells-Klassikers "Krieg der Welten" entwickelt Szulkin auch in "O-bi, O-ba - Das Ende der Zivilisation" eine düstere Endzeitstimmung. Dies wird durch die stark artifizielle Darstellung der contaminierten Außenwelt und die mangelnde Intimität der kahlen Innenräume zusätzlich verstärkt.




Krieg der Welten
Regie: Piotr Szulkin, PL 1981, 96 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
So, 13. November 20:15 Universum 2

 

Der Fernsehreporter Iron Idem berichtet, dass Außerirdische, die sogenannten Martianer, auf der Erde gelandet seien. Diese übernehmen kurz darauf die Kontrolle über die Medien. Obwohl die Straßen inzwischen von Zerstörung gezeichnet sind, muss Idem den Leuten erzählen, dass die Martianer nur freundschaftliche Absichten hätten. Als Idems eigene Frau entführt wird, versucht er die Leute über die Wahrheit aufzuklären, doch niemand glaubt ihm.

"Krieg der Welten" basiert sowohl auf dem gleichnamigen Roman von H.G.Wells als auch auf der Hörspieladaption Orson Welles', die bei ihrer Erstausstrahlung 1958 in den USA zu einer Massenpanik führte, da zahlreiche Zuhörer die Geschichte von der Martianerinvasion für wahr hielten.




"Im Staub der Sterne" - die filmfest-Party!
Sa, 12. November 22:00 LOT-Theater

 

Beam me up, Wladimir!

Das filmfest lädt ein ins Party-Orbit, ganz im Sternzeichen des diesjährigen Science Fiction-Specials "Im Staub der Sterne". Da heißt es unverzüglich die Ausgehuniform anziehen und sich bereit machen für den heißesten Galaxy-Trip des Jahres. Denn einmal gestartet gibt es nur noch eins: tanzen, tanzen, tanzen!

Ob Raketenpop oder Raumfährenrock, die Musik vom Soundkosmonautenkollektiv (B/HH/BS) ist nicht von diesem Planeten. Für den visuellen Flug sorgt das Berliner Kollektiv JuToJo mit dem Leo-Gewinner 2004, VJ Joni Braun, und VJ Toby Cornish, die u.a. durch ihre Zusammenarbeit mit den Clubjazz/Jazzclub-Königen von Jazzanova (Sonar Kollektiv) bekannt geworden sind. Na dann, ab zur Startrampe!

Eintritt: 4 €, freier Eintritt für Fördermitglieder und Dauerkartenbesitzer.

Der Flyer zur Party: 900x308 px (75 kB)
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