Archiv 2005
HOMMAGE NATACHA RÉGNIER



"Mit ihr zu arbeiten ist zugleich sehr bereichernd und unkompliziert. Sie ist eine Vollblut-Schauspielerin", sagt Mathieu Demy über seine Partnerin in "Le Silence". "Natacha Régnier hat sich als glaubwürdigste Schauspielerin des jungen französischen Autorenkinos durchgesetzt", schrieb die Tageszeitung Libération im November 2004. "Ich würde alles ausprobieren. Ich handle instinktiv - wenn etwas meine Neugier reizt, dann gehe ich drauf los", sagt sie über sich selbst.

Natacha Régnier wird am 11. April 1974 bei Brüssel geboren. Nur um mal "zu sehen", versucht sie sich nach dem Abitur an der Aufnahmeprüfung der Hochschule für Schauspiel in Brüssel, besteht, muß aber bereits nach weniger als einem Jahr wieder gehen: "Der Leiter der Theatersektion riet mir, mich nach etwas anderem umzusehen". Durch ihren ersten Kurzfilm lernt sie Pascal Bonitzer kennen, der mit ihr seinen ersten Langfilm drehen möchte. Nur mit einem kleinen Rucksack reist sie nach Paris, schlägt sich mit Statistenrollen durch, lernt und dreht schließlich "Encore".

Mit 24 Jahren dann der künstlerische Durchbruch: Natacha Régnier wird 1998 in Cannes als beste Darstellerin für ihre Rolle in "La vie rêvée des anges" ausgezeichnet und erhält dafür auch den Europäischen Filmpreis. Sie lernt den Filmkomponisten Yann Tiersen kennen, singt auf seinem Album "L'ansente", geht mit ihm auf Tournee. 2002 wird die gemeinsame Tochter Lise geboren, die sie fortan überall hin mitnimmt.

Nach der zweijährigen Pause kann sich Natacha Régnier vor Rollenangeboten kaum retten. Innerhalb von wenigen Monaten dreht sie acht Filme und verkörpert die unterschiedlichsten, auch widersprüchlichen Charaktere. Ihr Vorbild: die abwechslungsreiche Karriere der großen Sandrine Bonnaire. Für ihr neuestes Abenteuer reiste sie mit dem jungen Regisseur Nurbek Egen in die Kirgisische Steppe: "Das ist eine Frage der Neugier".

Filme (Auswahl):

1996 Encore
1998 La vie rêvée des anges
1999 Les Amants criminels
2000 Tout va bien, on s'en va
2001 La fille de son père
2004 Ne fais pas ça!
2004 Le Pont des Arts
2004 Vert paradis
2004 Le Silence
2004 Trouble




La vie revée des anges (Liebe das Leben)
Regie: Erick Zonca, F 1998, 113 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Sa, 12. November 17:00 CinemaxX 3 Gast: Natacha Régnier
So, 13. November 15:15 Universum 2

 

Das winterliche Lille. Die quirlige Herumtreiberin Isa lernt die stille, grüblerische Marie kennen und zieht bei ihr ein. Zwischen den beiden jungen Frauen entwickelt sich eine fragile Beziehung. Sie führen Gespräche in der Küche, machen Kneipentouren oder klauen. Im Großen und Ganzen ist der Ernst des Lebens nicht gefragt. Erst als Marie sich auf eine selbstzerstörerische Beziehung mit einem zynischen Frauenhelden einlässt, beginnt für Isa die Zeit des Erwachsenwerdens.

Erick Zoncas außergewöhnlicher Erstlingsfilm besticht durch seine genaue Milieu- und Charakterzeichnung. Natacha Régnier bekam für ihre Rolle der Marie 1998 zusammen mit Elodie Bouchez den Preis als beste Darstellerin auf dem Filmfestival von Cannes.




Tout va bien - on s'en va (Alles bestens - wir verschwinden)
Regie: Claude Mouriéras, F 2000, 95 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Mi, 9. November 15:00 CinemaxX 4
Fr, 11. November 22:00 Universum 2

 

Drei Schwestern in Lyon. Ihr Vater hat vor fünfzehn Jahren die Familie wegen einer anderen Frau verlassen, die Mutter ist inzwischen verstorben. Nun leitet Laure die elterliche Tangoschule, zieht ihre Tochter auf, und verliebt sich in einen Schuhverkäufer, der rechts und links nicht unterscheiden kann. Béatrice ist eine toughe Geschäftsfrau, die mit ihrem farbigen Freund ein bürgerliches Leben führt. Nesthäkchen Claire, eine begabte Pianistin, lebt dagegen in einer Abrissbude und nimmt an bizarren Kunsthappenings teil. Alles ist bestens - bis eines Tages der Vater vor der Tür steht.

"Alles bestens (wir verschwinden)" ist ein genauso anrührend wie heiteres Familiendrama, getragen von hervorragenden Darstellern.




Encore - Immer wieder die Frauen
Regie: Pascal Bonitzer, P/E 1995, 98 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Do, 10. November 17:15 Universum 2
Sa, 12. November 13:00 CinemaxX 1

 

Abel Vichac, Philosophieprofessor Mitte 40, ist in der Krise. Seine Beziehung zur eifersüchtigen Aliette ist nur noch reine Grundversorgung. Aber wen soll er statt ihrer nehmen? Etwa seine ehemalige Mitarbeiterin Florence, die sich in groteske japanisch angehauchte Lebensweisheiten versteigt? Oder die burschikose Studentin Catherine, die sich Aurore nennt. Oder die wirkliche Aurore, die Mitbewohnerin Catherines? Vichac versucht sein Glück, gefällt sich in der Rolle des Verführers. Allein, es fehlt an der Konzentration: Immer, wenn ihm eine gut gefällt, spuken dazu noch zwei andere in seinem Kopf herum. Dann taucht auch noch die Ex-Geliebte Olga auf. Da hilft nur eine Fahrt ans Meer. Vichac verliert die Haltung.




La fille de son père (Her father's daughter)
Regie: Jacques Deschamps, F 2001, 90 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Do, 10. November 14:45 CinemaxX 3
So, 13. November 13:30 CinemaxX 1

 

Die Beziehung von Henri, einem Versicherungsmakler und Familienvater, droht zu scheitern, seine Frau will ihn verlassen. Als er erfährt, dass einer seiner Jagdfreunde eine vernachlässigte Tochter hat, deren Mutter gerade gestorben ist, nutzt er die Situation aus, um sich an seiner Frau zu rächen. Er lässt die 18-jährige Anna (Natacha Régnier) glauben, er wäre ihr wirklicher Vater und holt sie zu sich nach Hause. Seiner Frau erklärt er, das Kind stamme aus einem langjährigen Verhältnis. Fortan bemüht er sich sehr um seine neue "Tochter" und vergisst dabei sein ursprüngliches Ziel: seine Frau zurückzugewinnen. LA FILLE DE SON PÈRE ist ein satirisches Drama über zwischenmenschliche Beziehungen in einer gutbürgerlichen Familie aus der französischen Provinz.




Ne fais pas ça (Lass das sein)
Regie: Luc Bondy, F/D 2004, 90 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Fr, 11. November 13:00 CinemaxX 1
So, 13. November 18:15 CinemaxX 1

 

"Ne fais pas ça!" warnt Nicole (Natacha Régnier) ihren Mann Joël, als der sie würgt. Nach diesem gewalttätigen Streit zieht sie zu ihren Eltern Edith und Francis, einem introvertierten Maler. "Ne fais pas ça" ruft Nicole ein zweites Mal, als Joël mitten in der Nacht vor dem Haus ihrer Eltern auftaucht und ihre mitgebrachten Sachen zu verbrennen droht. Er, ein aufstrebender Jungunternehmer, scheint alles zu riskieren, um sie zurückzugewinnen. Derweil wird die Situation für Nicole im Elternhaus immer unerträglicher... "Lass das sein" handelt vom Krieg der Geschlechter und von zwei Paaren in der Krise. Der Drehbuchautor und Romancier Philippe Djian wurde durch das Skript für "Betty Blue" bekannt.




Le Pont des Arts
Regie: Eugène Green, F 2004, 123 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Sa, 12. November 19:30 CinemaxX 3 Gast: Natacha Régnier
So, 13. November 11:00 CinemaxX 1

 

Unmögliche Liebesgeschichte um zwei junge Menschen in Paris: Sarah, eine hochtalentierte, sensible Sängerin und der Student Pascal sind beide unglücklich: Sie wird von ihrem ebenso schrillen wie despotischen Dirigenten gequält, was sie sich sehr zu Herzen nimmt, er wird von seiner Freundin verlassen. Beide beschließen ganz unabhängig voneinander, sich das Leben zu nehmen und von der "Pont des Arts", der berühmten Brücke vor dem Louvre, zu springen. Doch als Pascal zufällig Sarah auf einer Schallplatte singen hört, verliebt er sich sofort in ihre wunderbare Stimme und macht sich auf die Suche nach der faszinierenden Unbekannten ...

Traurig-schönes, sehr eigenwilliges Kino-Kunstwerk vor beeindruckender Kulisse.




Vert paradis (Nicht zu verheiraten)
Regie: Emmanuel Bourdieu, F 2004, 100 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Do, 10. November 22:15 Universum 1
Fr, 11. November 15:00 CinemaxX 2

 
© Anne-Francoise Brillot

Isabelle (Natacha Régnier) und Simon, beide um die Dreißig, wuchsen im selben Dorf auf und schienen füreinander bestimmt, doch die Umstände waren dagegen. Simon übernahm den väterlichen Hof und blieb ledig, Isabelle zog nach Paris und heiratete. Als ihr gemeinsamer Kindheitsfreund, der Soziologe Lucas, in sein Heimatdorf zurückkehrt, um dort das Problem der "allein lebenden Landwirte im ländlichen Raum" wissenschaftlich zu untersuchen, fasst er den Plan, die beiden endlich zusammenzubringen - fest davon überzeugt, dass sich beide immer noch lieben. Natürlich kommt alles anders...

Der Originaltitel bezieht sich auf ein Gedicht von Baudelaire, in dem der "blühende Garten der kindlichen Liebe" beschworen wird.




Les amants criminels (Criminal lovers)
Regie: François Ozon, F 1999, 90 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Mi, 9. November 22:30 Universum 1
Sa, 12. November 22:30 Universum 1

 

Alice (Natacha Régnier) ist mit Luc zusammen, fühlt sich aber dennoch unwiderstehlich zu ihrem Mitschüler Saïd hingezogen. Dies macht ihr solche Angst, daß sie sich entschließt, Saïd umzubringen. Für sie ist der Mord ein Ersatz für die Leidenschaft, die sie nicht auszuleben wagt. Sie überredet Luc, ihr bei der Tat zu helfen. Das unheimliche Märchen nimmt seinen Lauf: Die zwei Jugendlichen vergraben Saïds Leiche in einem Wald und geraten dort in die Fänge eines Riesen, der sie in einen Keller sperrt. Ihm ausgeliefert, stolpern sie von einer grotesken Situation in die nächste. Luc entdeckt durch den Riesen seine eigene Sexualität, während Alice im Kellerloch ausharrt. Als ihnen die Flucht gelingt, ist ihnen schon die Polizei auf den Fersen...




Comment j'ai tué mon père (How I killed my father)
Regie: Anne Fontaine, F 2001, 100 Min, OmeU
Mi, 9. November 17:30 Universum 1
Sa, 12. November 11:00 CinemaxX 4

 

Jean-Luc (Charles Berling) führt eine gutgehende Praxis als Gerontologe. Mit Isa (Natacha Régnier) führt er eine leidenschaftslose, bourgeoise Ehe, dagegen unterhält er ein Verhältnis mit seiner Arzthelferin Myriem (Amira Casar). Eines Tages taucht nach langjährigem Exil sein Vater Maurice (Michel Bouquet) wieder auf, den Jean-Luc längst aus seinem Leben verbannt hatte. Die Anwesenheit des Vaters wirft Jean-Lucs geordnetes Leben völlig aus der Spur. Längst verdrängte Erinnerungen, Kränkungen, Haß steigen in ihm auf, während Isa sich zu dem alten Mann hingezogen fühlt. Die Tragödie nimmt ihren Lauf...

Michel Bouquet wurde für seine Rolle des Maurice 2002 mit dem französischen César ausgezeichnet, aber auch die anderen Darsteller überzeugen - Natacha Régnier ist hier zum ersten Mal in einem bourgeoisen Milieu zu sehen.




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