Archiv 2005
FILMKLASSE DER HBK BRAUNSCHWEIG 2005
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Sa, 12. November 22:30 CinemaxX 4
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Es gehört mittlerweile zur Tradition des Internationalen film
fest Braunschweig, eine Auswahl der Filme und Videos, die während
eines Studienjahres in der Filmklasse der HBK entstanden sind, in einem Sonderprogramm vorzustellen.
Die Filmklasse besteht an der HBK seit 1972 als eigenständige Fachklasse im Bereich der Freien Kunst. Wie die StudentInnen in den Fachklassen
der klassischen Künste entwicklen die FilmemacherInnen und VideokünstlerInnen ihre Arbeiten als individuelles Werk, in dem sie
alle inhaltlichen und technischen Arbeiten selbst ausführen. Dabei geht es um die verschiedenen Genres wie Experimental-, Dokumentar-, Trick-
und Kurzspielfilm. In den letzten Jahren beschäftigen sie sich verstärkt auch mit Videoskulptur, multimedialen Rauminstallationen
und Netzkunst. Allen gemeinsam ist die Auseinandersetzung mit den Gestaltungsmitteln von Film, Video und Computer sowie die Erforschung
spezifischer künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten, ganz gleich, ob der Ansatz dabei formal, poetisch, persönlich, essayistisch,
surrealisitisch oder dokumentarisch ist. Entscheidend ist darüer hinaus die Unabhängigkeit von inhaltlicher Zensur und kommerzieller
Verwertung der Arbeit.
In diesem Jahr wird neben einer Auswahl von Kurzfilmen auch der "Filming Pool" vorgestellt.
Eine Rede
Regie: Mirko Martin, D 2005, 7 Min, DVD, Farbe, dt.
Die Weihnachtsrede des Bundespräsidenten Horst Köhler 2004, in sieben Abschnitten vorgetragen von unterschiedlichen Personen in
ihren häuslichen Umgebungen. Durch das Rezitieren des Textes unter veränderten Bedingungen werden seine Rhetorik und sein
Inhalt unter die Lupe genommen.
kleiner bloeder film
Regie: Kathrin Maria Wolkowicz, D 2005, 5 Min, DVD, Farbe, dt.
Vom Gärtner und seinen Kindern, der Prinzessin im Bus und in der Küche.
Daumenlutscherin
Regie: Ute Stroer, D 2005, 13 Min, DVD, Farbe, ohne Dialog
Der Film basiert auf der Kurzgeschichte "Daumenlutscher" von Heinrich Hoffmann. Es geht um einen Jungen namens Konrad,
der das strenge Verbot seiner Mutter "nicht mehr am Daumen zu lutschen" mißachtet und dadurch ins Unheil gerät. Jedoch
schweift der Film inhaltlich von der Vorlage ab und wird zu einer eigenen Interpretation der Geschichte.
Traffic
Regie: Mirko Martin, D 2005, 7 Min, DVD, Farbe, ohne Dialog
Ein LKW-Verladeplatz in Südspanien dient ständig telefonierenden Fernfahrern als Bühne, auf welcher sie sich gut in Szene
zu setzen wissen: Trotz erschwerter Bedingungen gibt es keinerlei Anzeichen, die Kommunikation einzustellen. Die Hektik des
Platzes spiegelt sich in der Rhythmik des Videos.
Koppel
Regie: Dennis Feser, D 2005, 3 Min, DVD, Farbe, dt.
Koppel ist eine ebenso skurrile Emanzipationsstrategie wie eine neurotische Verstrickung.
No. 5
Regie: Maroan el Boubou, D 2005, 8 Min, DVD, Farbe, ohne Dialog
"Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht. Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern
Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt. Unser Leben ist ebenso endlos, wie unser Gesichtsfeld
grenzenlos ist." (Ludwig Wittgenstein)
Für die Katz
Regie: Christian Plähn/Peter Beyer, D 2005, 30 Min, DVD, Farbe, dt.
Dieser Dokumentarfilm beschreibt den täglichen Gang Herrn Wölks über die verlassenen Fabrikhallen der Wilke Werke in
Braunschweig. Herr Wölk war zunächst Arbeiter auf dem Gelände der Wilke Werke und blieb als einziger nach der Schließung des
Geländes dem Werk treu. Fortan kümmerte er sich täglich um die dort verbliebenen Katzen.
Auszug von Filmingpool
- Geschichte vom Tölpel Hans, Florian Krautkrämer, Deutschland 2005, 8 Min., DVD, Farbe, ohne Dialog
- Armor the inner man, Sebastian Neubauer, Deutschland 2005, 7 Min., DVD, Farbe, dt.
- Ego-Shouter, Sebastian Egert, Deutschland 2005, 1 Min., DVD, Farbe, ohne Dialog
Die Teilnehmer des Filmingpool erstellen zunächst Fotografien zu bestimmten Begriffen für eine gemeinsame Materialsammlung. Aus
diesen gemeinsamen Bildern entstehen dann unabhängig voneinander Filme, deren Tonspur von jedem Teilnehmer individuell
produziert wird. Die Arbeit mit der gemeinsamen Bildsammlung führt so zu unterschiedlichsten Ergebnissen.
PORTRAIT: IRIS SELKE
So, 13. November 15:15 CinemaxX 4 Gast: Iris Selke
Mit dem Portait startet das film
fest eine Reihe, in der künftig AbsolventInnen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig vorgestellt
werden sollen. Den Auftakt bildet eine Werkschau mit Kurzfilmen der Künstlerin Iris Selke.
Iris Selke wurde 1966 in Bielefeld geboren und kam 1995 an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Die unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen
ihrer Mentorinnen spiegeln Iris Selkes interdisziplinares Schaffen wider. Sie studierte Film bei Mara Mattuschka und Birgit Hein, Fotografie bei
Dörte Eißfeldt sowie Performance bei Marina Abramovic. Auch wenn sich ihre Arbeiten durch die Vermischung der Ausdrucksmittel oftmals keiner bestimmten
Kunstrichtung zuordnen lassen, tragen sie doch immer die unverkennbare Handschrift der Künstlerin und bilden dadurch eine stilistische Einheit.
So zieht sich die Besinnung auf die Aussagekraft des Körpers wie ein roter Faden durch alle ihre Werke. "Der Körper ist mein Werkzeug. Mit
ihm drücke ich das aus, was ich nicht sagen kann", erklärt Iris Selke. "Um Dinge zu kommunizieren, benutze ich den Körper mal als
Objekt, mal verwandle ich ihn, indem ich andere Objekte benutze. Es geht mir keinster Weise darum, Selbstzerstörung oder Qual zu zeigen, ich möchte vielmehr
einen lebendigen Eindruck der physischen und psychischen Traumata vermitteln, die sich in unserem kollektiven Gedächtnis befinden." Die Frage nach der eigenen
wie auch der gesellschaftlichen Identität, die Stellung von Geschichte und Politik in Kunst und Alltag sowie die Bedeutung von Sexualität und
Gender sind die zentralen Themen, die sie dabei antreiben. Während und nach dem Studium wurde sie mit den daraus resultierenden Arbeiten auf
viele Kunstfestivals in ganz Europa eingeladen. Nach ihrem Diplom im Jahre 2003 blieb sie noch ein weiteres Jahr als Meisterschülerin an der HBK.
Remember the good old times (15 Min)
Ein Film, der eine Performance dokumentiert, bei der das Bild einer Gefängniszelle auf die Künstlerin projiziert wird. Durch das Nachmalen des sie
umgebenden Käfigs setzt die "Insassin" ihre Erinnerungen und ihre unterdrückten Energien in einen positiven Schaffensfluss um und findet dadurch
ihren persönlichen Ausweg aus der Isolation.
HHHHHi (4:30 Min)
Von innen nach außen ohne Worte. Das Lachen fällt schwer. Ich bin es. Ähnlichkeit? Weiblichkeit? Mund auf, Mund zu. Augen Auf, Augen zu. Aber
ich bins. Ich sehe, ich weine. Ich bin´s.
Maria et Luigi (2 Min)
Maria und Luigi, ein Paar aus dem selben Holz geschnitzt und dennoch sich nicht einig. Ein immerwährendes Spiel der Anziehung, des Begehrens, aber
auch der Missverständnisse.
Narziss (1 Min)
Das Zerschlagen des eigenen Spiegelbildes ermöglicht das Durchbrechen des eigenen Narzissmus' und gibt den Blick frei auf das, was sich hinter
der Fassade verbirgt.
Chicago Pigeons / The rats of the sky (3:32 Min)
Momentaufnahme, Stimmungen, Bilder, filmisch aneinander gereiht und festgehalten. Ein Protokoll, das mich im Nichts zurückließ. Mit der Zeit setzt
sich alles langsam, wie ein Puzzle zusammen.
Lion (4 Min)
Eine Performance in Anlehnung an die Entstehungsgeschichte der Stadt Rom. Die kraftvolle Erscheinung der Löwenstatur bildet im übertragenen
Sinne den Ernährer ab. Irritation und Auseinandersetzung wird durch den weiblichen Akt an diesem ungewöhnlichen Ort erzielt.
Splendid Isolation (7 Min)
Seine historische Bedeutung erfuhr der Ausdruck "Splendid Isolation" (großartige, schöne Isolation) zur Zeit des britischen Kolonialismus'. In
seiner künstlerischen Interpretation lässt er vielfältige Assoziationen zu. So gesellen sich in der Vorstellung afrikanische Masken zu Klu Klux Klan,
Reißbrettarchitektur und Überbürokratisierung.
Jipijajee! Ich grüße mein Volk. Jipijajee! (1:13 Min)
Eine ungewöhliche Annährung an die Geschichte mit Hilfe des 16-mm-Films. Gefilmt in Petersburg am Reiterdenkmal "Der Eherne Reiter", ein Werk
des französischen Bildhauers E.-M. Falconet (1766-1782) zu Ehren von Zar Peter dem Ersten, dem Gründer der Stadt.
Ophelia (4 Min)
In wieweit ist es möglich, zwischen dem menschlichen Handeln und dem Denken eine Art Abstimmung zu finden? Bei Shakespeare nimmt Ophelia sich das
Leben, da sie sich mit einer Überzahl an sie überfordernden Unglücksfällen und Hamlets Verwirrspiel konfrontiert sieht. In den politischen Verwirrungen unser
heutigen Zeit bekommt die Ausarbeitung des alten Themas "Sein oder nicht sein" einen besonderen und hoch brisanten Stellenwert.
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