Archiv 2004
MUSIK UND FILM - ZBIGNIEW PREISNER


copyright: Anna Wloch

Zbigniew Preisner ist Polens führender Filmkomponist und darüber hinaus einer der herausragenden Komponisten seiner Generation. Er hat mit international renommierten Regissuren zusammen gearbeitet wie Luis Mandoki, Louis Malle, Jean Becker, Thomas Vinterberg und Hector Babenco. Doch sein Name ist untrennbar mit dem des Regisseurs Krzysztof Kieslowski verbunden. Viele Jahre lang entstanden aus dieser engen künstlerischen Zusammenarbeit die Filme und die Partituren, die beide international berühmt machten: "Dekalog 1-10", "Die zwei Leben der Veronika", "Drei Farben: Blau/Weiß/Rot".

Preisner gilt als Melodiker und musikalischer Lyriker. Oftmals strahlt seine Musik eine große innere Ruhe aus durch ihren meditativen Grundton, der dunkle Klangfarben bevorzugt. Das opulente Gegenstück zu den überwiegend leisen Zwischentönen seiner Partituren ist der "Song for the Unification of Europe", der "Drei Farben: Blau" eröffnet und gegen Ende nochmals erklingt. Interpretiert vom Schlesischen Philharmonischen Chor und den Warschauer Symphonikern, bietet sich dem Hörer eine Komposition von großer Klangpracht dar. Hier wird musikalische Authentizität in der gestalterischen Meisterschaft fühlbar, denn Preisners Melodik geht das kalte Kalkül einer gewollten Gefühlsemphase vieler Hollywood-Symphoniker ab. Seine Musik ist von klanglicher Eigenart und Ursprünglichkeit geprägt, jenseits des üblichen Sound-Designs.

Zbigniew Preisner wurde 1955 geboren. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter zwei Césars der französischen Filmakademie. In drei aufeinanderfolgenden Jahren wurde er von der L.A. Critics Association als der herausragende Filmkomponist des Jahres geehrt. Er lebt in Polen und in der Schweiz.

Filmographie (Auswahl):

1991 Die zwei Leben der Veronika (L.A. Critics Association)
1992 Verhängnis (L.A. Critics Association)
1993 Drei Farben: Blau (L.A. Critics Association)
1993 Drei Farben: Weiß
1994 Drei Farben: Rot (César)
1995 Élisa (César)
1998 The Last September
2000 Aberdeen
2002 It’s all about Love
2003 Supertex
2004 Beautiful Country

Die Reihe wird unterstützt von BS Energy.




Vortrag Lothar Prox
Fr, 12. November 19:45 CinemaxX 4



Prof. Dr. Lothar Prox, Jahrgang 1934, studierte in Amsterdam Musik (Konzertexamen als Pianist) sowie Kulturwissenschaften in Paris und Köln (wo er mit einer Arbeit über Richard Wagner promoviert wurde). Frühzeitiges Interesse für die theoretischen und praktischen Aspekte der Audiovisualität. Den Kontakt zur Praxis ermöglichte ihm die Leitung des Kölner Filmforums, das er vierzehn Jahre lang betreute. In den achtziger Jahren wurde er an die Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf als Professor für Medienästhetik berufen. Er lebt in Bonn.

Lothar Prox hat hierzulande und im Ausland vielfältige Initiativen entwickelt, um auf die besondere Funktion und die historischen Leistungen der audiovisuellen Medien aufmerksam zu machen. Er entdeckte frühe Originaldokumente, leitete Workshops, Kongresse und Festivals, vermittelte Kompositionsaufträge und engagierte sich publizistisch mit Radio- und Fernsehsendungen. 1995 initiierte er in Verbindung mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Bonn) die Internationale Filmmusik Biennale, die herausragende Komponisten ehrt und europäische Nachwuchstalente fördert.

Nach Vorträgen zu Edward Artemiev (2002) und Antoine Duhamel (2003) wird Lothar Prox auf dem 18. Internationalen filmfest Braunschweig einen Einblick in das Schaffen des polnischen Filmkomponisten Zbigniew Preisner geben.




Beautiful Country
Regie: Hans Petter Moland, N/USA 2004, 125 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Fr, 12. November 19:45 CinemaxX 4 Gast: Zbigniew Preisner
So, 14. November 17:45 CinemaxX 4



Binh darf nicht mit den anderen an einem Tisch essen, er wird schikaniert, Kinder erteilen ihm demütigende Befehle und selbst die Gänse lachen ihn aus. Binh kennt seine Eltern nicht. Binh ist Vietnamese – aber nur zur Hälfte. Die andere Hälfte ist amerikanisch, sein Vater war GI im Vietnamkrieg. "Less than dust" werden solche Kinder in Vietnam genannt: "weniger als Staub". Als Binh wieder einmal an den Feierlichkeiten, die an den Sieg des Vietcong erinnern, ausgeschlossen wird, trifft er eine Entscheidung: Er will seine wahren Eltern finden. Eine lange Reise liegt vor ihm.

Hans Petter Moland hat mit "Beautiful Country" einen berührenden und bewunderungswürdigen Film zugleich gemacht, eine tragische und traurige Geschichte, in der dennoch Wunder geschehen.




Supertex – Eine Stunde im Paradies
Regie: Jan Schütte, D/NL 2003, 95 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Mi, 10. November 17:30 Universum 1
Fr, 12. November 17:15 CinemaxX 3 Gast: Zbigniew Preisner



Max Breslauer, Erbe des Amsterdamer Textilimperiums "Supertex", hat sich sein Leben bequem eingerichtet. Wohlhabend, robust und zynisch, protzt er mit Porsche, Psychiaterin und schöner, verheirateter Freundin. Doch schon bald ziehen sich Wolken über Max’ Wohlleben zusammen. Seine Freundin teilt ihm mit, künftig in Israel leben zu wollen – "Mitten im Krieg!" – wie Max fassungslos konstatiert. Als dann noch sein Vater, ein Patriarch mit polnischer Geliebter, einen schweren Unfall erleidet, und sein jüngerer Bruder in eine orthodoxe Familie einheiratet, muss Max sich gegen seinen Willen mit seinen jüdischen Wurzeln auseinandersetzen.

"Supertex" ist eine lustvoll erzählte Familiengeschichte nach dem Erfolgsroman von Leon de Winter.




Aberdeen
Regie: Hans Petter Moland, N/GB 2000, 113 Min, 35 mm, Farbe, OmdU
Fr, 12. November 14:45 CinemaxX 4 Gast: Zbigniew Preisner
So, 14. November 10:45 CinemaxX 2



Der Champagner fließt in Strömen auf Kaisas Party: Ihre Londoner Anwaltskanzlei hat sie befördert und sie genießt die Aufmerksamkeit, die man ihr, einer jungen aufstrebenden Anwältin, in einer von Männern dominierten Firma schenkt. Als am Tag nach der Party das Telefon klingelt, sieht die Welt nicht mehr so rosig aus. Ihre Mutter ist an Krebs erkrankt und bittet Kaisa, ihren Ex-Ehemann, den Alkoholiker Thomas, in Oslo aufzuspüren und an ihr Krankenbett nach Aberdeen zu schaffen. Kaisa hat ihren Vater seit zehn Jahren nicht mehr gesehen, und als sie ihm in Oslo gegenübersteht, übertrifft er ihre schlimmsten Erwartungen. Thomas denkt gar nicht daran, mit nach England zu kommen. Aber da hat er seine Tochter gewaltig unterschätzt.




It’s All About Love
Regie: Thomas Vinterberg, DK 2002, 104 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Sa, 13. November 11:00 CinemaxX 4
So, 14. November 15:15 Universum 1



Während eines Zwischenstopps in New York besucht John seine schon lange von ihm getrennt lebende Frau Elena. Er will sich von ihr die Scheidungspapiere unterschreiben lassen. Elena, eine berühmte Eislaufprinzessin, wird von einer Gruppe undurchsichtiger Manager, Berater und deren Fußvolk umgeben, die ihren kostbaren Schatz wie in einem Gefängnis bewachen. Elenas Karriere neigt sich ihrem Ende zu. Was wird geschehen, wenn sie nicht mehr auftreten und niemand mehr aus ihr Profit schlagen kann? Und was hat es zu bedeuten, als plötzlich drei Elena-Klone auftauchen an diesem verschneiten Sommertag des Jahres 2021, an dem eine seltsame Seuche in der Stadt grassiert, die einsame Menschen den plötzlichen Herztod sterben lässt, und die Bevölkerung von Uganda anfängt zu fliegen?




Élisa
Regie: Jean Becker, F 1995, 115 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Do, 11. November 17:15 Universum 2 Gast: Zbigniew Preisner
Sa, 13. November 17:30 Universum 2



Marie, Solange und Ahmed sind Straßenkinder. Sie leben in den Tag hinein, begehen kleine Diebstähle und wirken dennoch unschuldig. Doch so unbeschwert wie sie sich geben, sind sie nicht. Besonders Marie leidet unter einem Trauma. Ihre Mutter hat Selbstmord begangen. Marie gibt dem Vater, der die beiden vor Jahren verließ, die Schuld daran. Eine Postkarte und ein paar Noten bringen sie auf die Spur des Vaters, den sie ganz richtig in dem Komponisten Jacques Lebovitch vermutet. Sie bricht auf, um an ihm den Selbstmord der Mutter zu rächen.

"Ausgezeichnet fotografiert und eindrucksvoll gespielt, bietet der Film großes europäisches Gefühlskino zum Lachen, Weinen und Nachdenken." (filmdienst)





Die zwei Leben der Veronika (La Double Vie de Véronique)
Regie: Krzysztof Kieslowski, F/PL/D 1991, 92 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Do, 11. November 19:45 Universum 2
Sa, 13. November 15:15 Universum 2



Die 20-jährige Polin Veronika entdeckt eines Tages in Krakau ihre Doppelgängerin in einer französischen Touristengruppe. Véronique und Veronika gleichen sich nicht nur äußerlich wie ein Ei dem anderen. Beide sind hochmusikalisch, haben eine schöne Stimme, diverse Beziehungsprobleme und dieselbe Herzschwäche. Veronika gewinnt einen Gesangswettbewerb, bricht aber während ihres ersten Auftritts als Solistin tot zusammen. Das Leben von Véronique geht weiter, doch mehren sich die Anzeichen, dass die Seele von Veronika auf sie übergegangen ist. Krzysztof Kieslowski stellt in seinem genauso atmosphärisch dichten wie erlesen inszenierten Film Fragen nach einer transzendenten Welt, verzichtet indes auf einfache Deutungsmöglichkeiten.




Drei Farben: Blau (Trois Couleurs: Bleu)
Regie: Krzysztof Kieslowski, F/PL 1993, 98 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Mi, 10. November 22:30 Universum 1
So, 14. November 13:15 Universum 3



Erster Teil einer Trilogie von Krzysztof Kieslowski, die sich mit den Schlagworten der Französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auseinandersetzt, symbolisiert durch die Farben der Trikolore. Blau steht dabei für die Farbe der Freiheit, die allerdings schwer errungen werden muss.

Nach dem Unfalltod ihres Mannes, eines Komponisten, und ihrer kleinen Tochter, zieht sich eine Frau aus dem Leben zurück, bricht mit ihrer Vergangenheit und will alle Erinnerung hinter sich lassen. Doch das Leben holt sie immer wieder ein, sei es in Gestalt eines hartnäckigen Verehrers oder einer plötzlich auftauchenden Geliebten ihres Mannes. Nach schmerzlicher innerer Auseinandersetzung findet sie durch die Musik ihre Freiheit und eine Zukunft.




Verhängnis (Damage)
Regie: Louis Malle, F/GB 1992, 111 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Mi, 10. November 15:00 CinemaxX 4
Do, 11. November 22:15 Universum 2



Ein fünfzigjähriger englischer Politiker mit Aussicht auf einen Ministerposten verliebt sich in die Freundin seines Sohnes. Entgegen aller Vernunft beginnt er mit ihr ein Verhältnis, das auch sie aktiv betreibt. Sie hofft, sich dadurch von ihrem Jugendtrauma befreien zu können: Ihr Bruder, der sie mehr als "brüderlich" liebte, starb durch Selbstmord, als sie fünfzehn Jahre alt war. Doch die erneute "amour fou" mündet in eine familiäre Katastrophe und in den Zerfall aller sozialen Bindungen des Mannes.

Louis Malle beschreibt den schwierigen Balanceakt zwischen Verlangen und Vernunft und wirbt um Verständnis für unterdrückte Obsessionen und Phantasien. Ein Film voller erotischer Spannung mit hervorragenden Darstellern.




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