Archiv 2003
MUSIK UND FILM - ANTOINE DUHAMEL
Am 16. Mai 2002 wurde während der Filmfestspiele in Cannes ein Galakonzert
veranstaltet zu Ehren der besten Komponisten der Filmgeschichte, unter ihnen auch
Antoine Duhamel.
Antoine Duhamel, geboren 1925 in Valmondois, komponierte schon früh eigene
Werke. Seine ersten großen Partituren für den Film entstanden in den sechziger
Jahren durch seine Begegnung mit legendären Vertretern der "Nouvelle Vague",
Jean-Luc Godard und François Truffaut. Seither hat er mit den wichtigsten
europäischen Regisseuren zusammen gearbeitet: Fernando Trueba,
Patrice Leconte - und Bertrand Tavernier, für dessen "Laissez-Passer"
("Passagierschein") der schon vorher mehrfach mit dem französischen "César"
ausgezeichnete Duhamel den Silbernen Bären der Filmfestspiele Berlin 2002
für die beste Filmmusik erhielt.
Antoine Duhamel hat neben seiner Arbeit als Filmkomponist unzählige Kammermusiken,
Ballette, Orchestermusiken und Opern geschrieben. Seine Filmkompositionen
verkörpern die besten Eigenarten französischer Filmmusik - eine moderne,
anti-romantische, sehr lebendige, teils dramatisch scharfe, dann wieder sehr
zärtliche Musik von großem klanglichen Reiz.
Antoine Duhamel wird eine Auswahl seiner Filme persönlich vorstellen.
Höhepunkte der Reihe sind ein einleitender Video-Vortrag des Filmmusikspezialisten
Professor Lothar Prox und die Aufführung der in Deutschland nicht gestarteten
preisgekrönten Filme "Laissez-Passer" von Bertrand Tavernier und
"Shanghai Spell" von Fernando Trueba.
FILME (Auswahl)
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| 1965 |
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Elf Uhr nachts |
| 1970 |
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Tisch und Bett |
| 1976 |
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Wenn das Fest beginnt (César) |
| 1978 |
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La Chanson de Roland (César) |
| 1979 |
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Death Watch - Der gekaufte Tod (César) |
| 1983 |
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Partitur für den Stummfilm "L'Homme du Large" von Marcel L'Herbier |
| 1985 |
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Symphonische Suite für "Intolerance", den Stummfilmklassiker von
D.W. Griffith (zusammen mit Pierre Jansen)
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| 1993 |
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Belle Epoque |
| 1996 |
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Malena |
| 1996 |
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Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins (César) |
| 2002 |
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Laissez-Passer (Silberner Bär) |
| 2003 |
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Shanghai Spell |
Diese Reihe wird unterstützt von BS Energy und dem Bureau Culturel Francais.
Vortrag Lothar Prox - "Die Filmmusik von Antoine Duhamel"
Mi, 29. Oktober 19:30 CinemaxX 4
Der Filmmusikspezialist Lothar Prox wird am Mittwoch, dem 29. Oktober um 19:30 im CinemaxX 4 einen Vortrag
über Antoine Duhamels Werk halten.
Passagierschein (Laissez-Passer)
Regie: Bertrand Tavernier, F/D/E 2002, 170 Min, Cinemascope, Farbe, OmdU
Do, 30. Oktober 19:30 CinemaxX 3 Gast: Antoine Duhamel
Sa, 1. November 11:00 CinemaxX 3 Gast: Antoine Duhamel
Paris 1942. Die "Continental", eine von der deutschen Besatzungsmacht gegründete
Firma, stellt pro-nationalsozialistische Propagandafilme her. Hier kreuzen sich die
Schicksale zweier unterschiedlicher Männer. Der eine, Regieassistent Jean Devaivre,
arbeitet für die "Continental" und ist gleichzeitig in der Résistance
aktiv. Für den Drehbuchautor und Schriftsteller Jean Aurenche dagegen beginnt der
Widerstand beim Schreiben. Taverniers Hauptfiguren sind keine Helden. Sie leben
einen Alltag, in dem Lebensmittel rationiert sind, Bomben fallen und Busse
voller bleicher Gestalten mit gelben Sternen am Revers durch Paris transportiert
werden.
Der Akrobat (L'Acrobate)
Regie: Jean-Daniel Pollet, F 1975, 97 Min, Beta SP, Farbe, OmdU
Mi, 29. Oktober 17:15 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
Léon, ein schüchterner Sauna-Angestellter, verliebt sich in Fumée,
eine attraktive Prostituierte, deren einziger Klient er werden will. Als Léon
eines Tages einen Tanzkurs besucht, kommt ihm die Erleuchtung. Er entschließt sich,
in die Fußstapfen seines Freundes Ramon zu treten. Der verführt nämlich
die Frauen reihenweise aufgrund seines schwungvollen Tanzstils. Léon wendet
sich mit Leidenschaft dem Tango zu. Er erweist sich als außerordentliches Talent.
Fumée wird seine Dauerpartnerin und gemeinsam gewinnen sie zahlreiche Preise.
Doch dann droht Léon sie an Ramon zu verlieren...
"Der Akrobat" ist eine humorvolle märchenhafte Komödie mit ausgezeichneten
Darstellern, voller Ausstrahlung und beschwingt von Tanz und Musik.
Die von Gegenüber (Ceux d'en face)
Regie: Jean-Daniel Pollet, F 2000, 90 Min, Beta SP, Farbe, OmeU, dt. Erstaufführung
Do, 30. Oktober 17:15 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
In einem leeren, einsamen Haus komponiert der Musiker Mikael einen Psalm. Linda,
eine junge Frau, erscheint, um einen Koffer abzuholen, der ihrem Freund Sebastien
gehört. Dieser Koffer enthält Hunderte von Photos, auf denen Kriege,
Naturkatastrophen, leidende Menschen abgebildet sind. Linda soll hieraus
eine Ausstellung zusammenstellen. Mikaels Einladung, währenddessen bei ihm zu
wohnen, nimmt sie an. Es entwickelt sich langsam ein Vertrauensverhältnis
zwischen den beiden.
Das Herz des Filmes bilden die Photos, die nach und nach von Linda geordnet werden.
Dennoch ist "Die von Gegenüber" Duhamels persönlichster Film, da die
Figur des Mikael klar Züge Duhamels trägt.
Elf Uhr Nachts (Pierrot le fou)
Regie: Jean-Luc Godard, F/I 1965, 110 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Fr, 31. Oktober 22:30 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
So, 2. November 20:00 Universum 3
Ferdinand (Jean-Paul Belmondo) hilft seiner früheren Freundin Marianne (Anna Karina) beim
Verschwindenlassen einer Leiche. Er gibt sein bisheriges Leben auf, um sich ihrer Gangsterbande
anzuschließen. Nach einem Unfall in Südfrankreich kommt es zum Kampf mit
einer anderen Bande. Ferdinand entdeckt, dass Mariannes angeblicher Bruder in
Wahrheit ihr Geliebter ist. Die Situation eskaliert.
Der zwischen Komödie und Tragödie schwankende Film ist eines von Godards
bekanntesten Werken. Godard erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern
zerlegt sie in viele kleine Szenen und Episoden. Ein weiteres wesentliches Element
seiner "Ordnung der Unordnung" ist der experimentelle Umgang mit der Farbgebung.
Belle Epoque
Regie: Fernando Trueba, E 1993, 109 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Fr, 31. Oktober 11:00 CinemaxX 1 Gast: Antoine Duhamel
So, 2. November 15:30 CinemaxX 4
Frühjahr 1931: Spanien zwischen sterbender Monarchie und aufkommender zweiter
Republik. Fernando hat genug vom Kampf für den König und desertiert.
Unterschlupf findet er zunächst auf dem Landsitz von Manolo. Aber Fernando
will weiter, nach Amerika! Doch dieser Wunsch ändert sich, als seinem Zug
Manolos vier Töchter entsteigen (u.a. Penélope Cruz), eine schöner als die andere!
"Belle Epoque" schildert die Liebesabenteuer eines desertierten spanischen
Theologiestudenten mit den Töchtern eines republikanisch eingestellten Malers.
Eine mit absurdschwarzem Humor durchzogene Komödie vor dem Hintergrund der
politischen Umbruchsituation, die auch einen Wandel von Moral und gesellschaftlichen
Lebensformen mit sich bringt.
Death Watch - Der gekaufte Tod (La mort en direct)
Regie: Bertrand Tavernier, D/F 1979, 115 Min, 35 mm 35, Farbe, dt.
Sa, 1. November 22:30 Universum 2 Gast: Antoine Duhamel
"Death Watch - Der gekaufte Tod" ist der Name eines Fernsehprogramms, das aus
Live-Übertragungen der letzten Tage von Sterbenden besteht. Romy Schneider
spielt eine vermeintlich todkranke Frau, die sich auf der Flucht vor diesem Sender
befindet. Sie ahnt nicht, dass ihr Begleiter Roddy (Harvey Keitel) ein Kameramann ist, dem eine
Kamera ins Auge implantiert wurde.
Der in englischer Sprache in Glasgow gedrehte Science-Fiction schildert eine
mittlerweile vom Reality-TV eingeholte Utopie über Sensationsgier und die
Ausbeutung von Gefühlen - aufgrund von Taverniers und Duhamels Leistungen
auch heute noch ungeheuer packend.
Tisch und Bett (Domicile Conjugal)
Regie: François Truffaut, F/I 1970, 100 Min, 35 mm, Farbe, dt.
Do, 30. Oktober 15:00 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
Antoine und Christine sind verheiratet. Er färbt unten im Hof Blumen, während
sie oben in der Wohnung Geigenunterricht gibt. Zu ihren Nachbarn gehören ein
Opernsänger und ein geheimnisvoller Untermieter, den alle nur den Würger
nennen. Als Antoine die hübsche Japanerin Kyoko kennen lernt, gerät sein
Leben ordentlich durcheinander.
"Tisch und Bett" ist die chronologische, thematische und stilistische Fortführung
der Antoine-Doinel-Filme. Aus spielerischen, locker zusammengefügten Szenen
setzt sich ein ebenso liebenswürdiger wie unterhaltsamer Liebesfilm zusammen,
geprägt von menschlich warmem Humor, souveräner Leichtigkeit und feinem
Charme.
Ein Mann der See (L'Homme du large)
Regie: Marcel L'Herbier, F 1921, 86 Min, Beta SP, s/w, stumm, dt. Erstaufführung
So, 2. November 10:45 CinemaxX 2 Gast: Antoine Duhamel
Der bretonische Fischer Nolff und seine Frau haben zwei Kinder. Während das
Mädchen der schwachen Mutter hilft, nutzt der Sohn Michel die Liebe des Vaters
aus, verweigert die Arbeit auf dem Boot, liegt verträumt am Felsen und liebt
die Freuden der Stadt. Nach dem Tod der Mutter entreißt Michel der Schwester
das Erbgeld und verletzt sie. Vom Vater am Meeresstrand gestellt, schwört
Michel einen Meineid...
"Der Mann der See" basiert auf Honoré de Balzacs 1835 erstmals publizierter
Novelle "Ein Drama am Meeresstrand" und zeigt eine düstere, schwermütige
Landschaft mit schroffen Felsküsten, weiten Horizonten und der Armut der
Menschen.
Schornstein Nr. 4 (La Voleuse)
Regie: Jean Chapot, D/F 1966, 85 Min, 35 mm, s/w, dt.
Fr, 31. Oktober 15:00 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
So, 2. November 13:15 CinemaxX 1
Die seit Jahren kinderlos verheiratete Julia fühlt sich durch einen inneren
Zwang dazu getrieben, ihr voreheliches Kind, das sie einst an Pflegeeltern weggegeben
hatte, zu entführen. Als der Pflegevater es zurückholen will, wird Julia
als der leiblichen Mutter das Kind zugesprochen. Der verzweifelte Pflegevater klettert
daraufhin auf einen Schornstein und droht, sich hinabzustürzen.
Ungewöhnliches Frauenporträt mit Romy Schneider und Michel Piccoli, die nach ihrem Abschied vom
"Sissy"-Image erstmals wieder in Deutschland vor der Kamera stand. "Schornstein Nr. 4"
fängt in kargen Schwarzweißbildern die Verzweiflung der Protagonisten
und die Atmosphäre des Ruhrgebietes ein.
Der Zauber von Shanghai (Shanghai Spell)
Regie: Fernando Trueba, E 2002, 88 Min, 35 mm, Farbe, OmeU
Mi, 29. Oktober 21:00 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
Sa, 1. November 20:00 CinemaxX 4 Gast: Antoine Duhamel
Mit "Shanghai Spell" entführt Fernando Trueba sein Publikum in das graue
Barcelona 1948. Dort trifft der 14-jährige Dani die frühreife Susana.
Zunächst verbindet die beiden nur das gemeinsame Schicksal, ohne
Vater aufzuwachsen. Von Abenteuer-Geschichten über tapfere, mysteriöse
Widerstandshelden beeindruckt, erliegen die beiden jedoch bald dem Zauber ferner
Welten. Die raue Gegenwart aber lässt sich nicht für immer verdrängen...
Gespickt mit cineastischen Zitaten funktioniert diese Initiationsgeschichte zudem
als Hommage an den Film Noir. So erinnert beispielsweise auch der üppig
orchestrierte Sound an diese dunklen Hollywood-Filme der 40er Jahre. Die Musik von
Antoine Duhamel macht den Film nicht nur zum visuellen, sondern auch zum
gesamtakustischen Erlebnis.
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